Projektbericht Oktober 2025
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Mitreisende
(v. l. n. r.):
Jochen Hahn (Rüsseina), Andreas Ritter (Siebenlehn), Samantha Lantzsch (Starbach), Tino Hannß (Waldheim)
Inhalt
- Ausgangslage und Ziele der Projektreise Oktober 2025
- Reiseinformationen/ Zollabfertigung
- Ankommen in Addis Abeba, Besorgungen, Besuch der Entwicklungshilfeabteilung der Mekane Yesus-Kirche, Reise nach Hossaina/ Tula
- Unser Leben im Zeltlager
- Situation unserer Energieanlage; Verbraucherverhalten
- Stand des Netzausbaues in Tula
- Umsetzung der Ziele
- Wiederinbetriebnahme der Windkraftanlage; Einbau einer Windrad-Steuerung
- Installation einer automatischen Nachtabschaltung
- Recherchen/ Planungen zum Separatprojekt „Gambo-Village“
- Verteilung von Nutzer-Merkblättern an alle Hütten
- Haussicherungskästen, Filtersack f. E-Wandler
- Problemanzeigen
- Schwache Batterien im E-Haus II
- Desolate Strommasten
- Finanzsystem ohne Rücklagenbildung
- Gesamtkosten der Projektfahrt Oktober 2025
- Perspektiven/ Vorhaben für 2026
- Spenden sammeln für 2026
- Dank
1. Ausgangslage und Ziele der Projektreise Oktober 2025
Wir nähern uns dem Ausbauziel in Tula. Im Februar 2025 konnte eine größere Gruppe dazu wichtige Arbeiten erledigen: Teilaufbau einer netzunterstützenden „Balkonanlage“ auf dem Dach der Schule Tula (bisher 2,4 von 4,8 KWp), Vorbereitungen zur Windradwiederinbetriebnahme im E-Haus I, Sicherungs-arbeiten an den Solardächern sowie erste Begutachtung eines bisher unbekannten Dorfteiles (Gambo-Village). Beschlossen wurde durch die Dorfgemeinschaft als Sonderregelung auch der Anschluss von 10 nahegelegenen Hütten der Nachbargemeinde Morsito. Beschlossen wurde auch die Erhöhung des Strombeitrages von 40 auf 60 Ethiopische Birr (EB), um die Finanzierung der Wartungsmitarbeiter zu sichern.
Die Projektreise im Oktober 2025 verstand sich als eine begrenzte Zwischen-Aktion mit kleiner Reisegruppe.
Ziele dieser Oktober-Reise waren folgende:
- Einbau einer Windradladesteuerung im E-Haus I sowie die Wiederinbetriebnahme der Windkraftanlage.
- Ggf. Umlegen des Windrades und mechanische Durchsicht sowie Lackierung der Rotorblätter
- Einbau einer automatischen (Stromspar-)Nachtabschaltung im E-Haus I und II
- Recherchen/ Planungen bzgl. einer Separat-Energieanlage im Taldorfteil „Gambo-Village“
- Kontrolle der Stromeinnahmen, des Projektes „Masterneuerung“ und der Sonder-Neuanschlüsse „Morsito“
- Erstellung und Verteilung eines laminierten Merkblattes für alle Stromnutzer
2. Reiseinformationen/ Zollabfertigung/ Umtauschkurs
Wie in den letzten Jahren bedienten wir uns auf Grund des Flugpreises der Fluggesellschaft Türkish Airlines (ca. 560,00 Euro/Person). Von Berlin aus ging es über Istanbul nach Addis (ca. 10.30 Uhr Berlin ab – ca. 0.30 Addis an). Dank eines Begleitschreibens der Äthiopischen Evangelischen Mekane Yesus-Kirche kamen wir sehr unbeschadet und schnell durch die Zollkontrolle. Man kennt uns bereits. In anderen Jahren verlief diese Prozedur zermürbend und z. T. sehr kostenintensiv.
In Äthiopien herrscht eine sich beschleunigende Inflation. Das äthiopische Birr (EB) verliert gegenüber dem Euro immer weiter an Wert (2005: 1:10; 2013: 1:25; 2019: 1:32; 2021: 1:53; 2024: 1:63; Januar 2025: 1:136; 7. Oktober 2025: 1: 166; nach unserer Abreise am 16. 10. bereits 1:172). Fast alle Waren wurden dadurch für uns deutlich günstiger, und dies gerade bei kostspieligen Produkten. Der Jeep incl. Fahrer kostete nun nicht mehr, wie früher, 65 Euro/Tag, sondern nur noch 30,00 Euro. Die Hotelkosten fielen in Addis von früher 19,00 Euro auf 9,00 und in Hossana von früher 15,00 Euro auf 6,00 Euro (hier incl. Frühstück!) pro Zimmer/ Nacht. Die PV-Platten – für uns entscheidend - kosteten statt 1,00 Euro/Watt (2024) nur noch 0,36 Euro/Watt. Bei den Kabeln war es ähnlich. D. h., die Inflation lt. Umrechnung kann im Lande nicht einfach „nachgezogen“ werden. Die Preise blieben z. T. gleich oder zogen nur moderat an (Diesel ist für die Bevölkerung mit 120 EB freilich teurer geworden, für uns kam er nur 0,72 Euro). Eine Preissteigerung nach Euro-Umtauschkurs wäre für die Bevölkerung überhaupt nicht machbar. Wir aber konnten davon „profitieren“, so dass Kabel, Solarplatten und später auch Batterien für uns überhaupt bezahlbar werden. Wohin diese Geldentwertung noch führen wird, ist noch nicht abzuschätzen, wird es doch zunehmend zu einer Preisschere bes. bei importierten Waren kommen.
Da in Äthiopien noch der alte julianische Kalender aus der Römerzeit gilt, leben die Äthiopier jetzt im Jahr 2018.
3. Ankommen in Addis Abeba, Besorgungen, Besuch der Entwicklungshilfeabteilung der Mekane Yesus Kirche, Reise nach Hossana/ Tula
Dank der Familie unseres Freundes Wolde Giorgies Demissie wurden wir vom Flughafen mitten in der Nacht abgeholt. Der Jeep mit Driver Daniel war gebucht. Die Stadt ist jetzt erleuchtet mit zig Tausend Lampen, Leuchten und Lichterketten. Selbst Hochhäuser sind mit Lichterketten geschmückt. Nein, sicher kein Stromüberfluss scheint der Grund zu sein, eher ein Repräsentationsbedürfnis des Staates. So konnten wir den Rest der Nacht in der Wohnung der Familie verbringen incl. eines zünftigen Frühstückes. Der Tag war gefüllt mit Besorgungen (PV-Platten) und Preisrecherchen (Kabel, Batterien) sowie dem Besuch in der Entwicklungshilfeabteilung der Evangelischen Mekane Yesus Kirche in Addis. Hier konnten wir unseren neuen Mittelsmann Solomon Shiferaw kennenlernen, dem wir detailliert über unser Projekt in Tula berichten konnten. Seine gezielten Fragen zu Konzept und Finanzen in Tula ließen eine große Kompetenz in der Sache erkennen. Seit ca. 2014 besteht eine vertraglich festgemachte offizielle Partnerschaft zwischen der Mekane Yesus Kirche und unserem Verein „Windenergie Äthiopien e. V.“
Zwei Themen lagen uns zusätzlich am Herzen:
a) Wir bitten Solomon Shiferaw, sich mit der Universitätsleitung in Hossana in Verbindung zu setzen, um eine Einbeziehung der Universität in das Projekt zu initiieren. Er hat Beziehungen zur Uni und will sich kümmern.
b) Wir sprechen die Möglichkeit an, im Januar ein TV-Team nach Tula zu holen, um das Projekt ein Stück publik zu machen (damit vielleicht Nacharmer gefunden werden). Er hält dies für gut möglich.
Am Folgetag (8. 10.) ging es Richtung Süden über die Westroute (Woliso) 260 km nach der Süd-Bezirksstadt Hossana. Die direkte kürzere Straße über Budajira ist in schlechtem Zustand. Zudem wurde uns die Sicherheitslage nicht als die beste beschrieben. Hossana empfing uns mit unendlich vielen Straßenbauplätzen. Überall wurde gebaggert und gewühlt. Hossana soll als Bezirksstadt groß ausgebaut werden.
Der Abend im LEM-International Hotel verbrachten wir traditionsgemäß mit unserem langjährigen Freund und Übersetzer, dem Ingenieur Liranso Solomon. Mit ihm wurde das Projekt durchgesprochen und Einkäufe geplant. Am Folgetag sollten die Einkäufe erledigt und die Auffahrt nach Tula realisiert werden. Nun zeigten sich die Tücken der ausgehenden Regenzeit: Am Vormittag regnete es unaufhörlich. Die Einkäufe konnten wir erledigen. Eigenartig: Obwohl überall Kaffee getrunken wird, fanden wir in keinem Laden gerösteten, gemahlenen Kaffee. Die Lösung ist einfach: Die Leute kochen traditionell Kaffee: Sie rösten in jeder Kaffeezeremonie grünen Kaffee und stampfen ihn im Mörser. Immerhin fanden wir dann eine kleine originelle Kaffeerösterei, die hochwertigen Röstkaffee herstellten (mit dem wir uns dann auch heimatwärts reichlich eindeckten).
Die Auffahrt nach Tula mussten wir an diesem Tag canceln, da ein Hochkommen auf den schmierigen Wegen ausgeschlossen schien. Nach Wetterbesserung wagten wir am Folgetag die Auffahrt (Höhenunterschied ca. 500 m auf knapp 3.000 m). Hier zeigte sich unser früher oft befahrener Zufahrtsweg (20 km) als außerordentlich tückisch. Nur mühsam konnte sich der Jeep aus Schlammlöchern befreien oder hart auf Kante an Schluchten und tiefen Erosionsrinnen entlang schleichen. Auf dem Rückweg von Tula am Nachmittag sollte dann der Allrad des Jeeps schlapp machen, so dass uns das Fahrzeug drei Tage lang nicht zur Verfügung stand. Hier zeigte sich, dass die beste Zeit für Aktionen der Januar/ Februar bleibt mit sicherem, trockenem und warmen Wetter.
4. Unser Leben im Dorf
Wie auch sonst konnten wir unser Zelt-Camp geschützt innerhalb eines Familienverbandes nahe des E-Hauses I und des Windradhügels aufschlagen. Zelte, Küchen-ausrüstung, Holzkohlekocher und sonstige Utensilien sind im Elektrohaus in einer großen rattensicheren Kiste verstaut. Es bleibt dennoch immer eine Herausforde-rung, all die Dinge, die auf verschiedene Koffer und Kunststoff-Fässer verteilt sind, aufzufinden und zu ordnen. Unsere Mitfahrerin Sammy Lantzsch hat neben verschiedenen technischen Arbeiten mit Bravour Ordnung ins System gebracht und die Versorgung der Gruppe gesichert. Eine vorbildliche Inventarliste der Januar-Gruppe erleichterte uns die Auswahl der Nahrungsmittel, die wir aus Deutschland mitnehmen mussten: Harte Würste, eingeschweißten Käse, Fleisch- bzw. Wurstkonserven. Gemüse und Obst (Möhren, Kartoffeln, Zwiebeln, Knoblauch, Orangen, Avocado …) lassen sich in Hossana kaufen. Während das Trinkwasser ausschließlich aus Hossana (Mineralwasserflaschen) kommt, nutzen wir zum Waschen, Abwaschen und Kochen das Brunnenwasser, das uns vom nahegelegenen Brunnen in Kanistern gebracht wird. Nicht immer ist es klar … Am sichersten bleibt das Bier, dass es sogar in einer dunklen Lehmhütte in Tula zu kaufen gibt. Alles wird auf Holzkohlekochern heiß gemacht. Für die tägliche Notdurft nutzen wir seit Jahren als Toilette eine aufrecht gestellten Transportkiste vom letzten Großtransport (mit Kunststoffbrille!). Unter dem PV-Dach haben wir eine Felddusche installiert (Kunststoff-Fass mit Brause, sogar mit E-Pumpe zum Hochpumpen) und kleiner Heizpatrone zum Wasser-Erwärmen (Danke Innotherm Döbeln! Z. Z. noch über PV-Platten).
Dank des großen Tunnelzeltes mit weitem Vorraum können wir bei Kühle, Regen und Wind die Mahlzeiten geschützt einnehmen und Material sicher verstauen (Danke, lb. Jürgen Reinhard, für dieses Geschenk, das wir seit Jahren als unverzichtbares Hauptquartier nutzen!). An jedem Abend gibt es eine Einladung der Gastfamilie in ihre Rundhütte, wo es in Gemeinschaft mit dem gesamten Viehbestand Kaffee und geröstete Körner (Kollo) oder Kotscho gibt (eine aus der falschen Banane gewonnene verbackene Masse). Traditionsgemäß überreichen wir allabendlich der Familie eine Tafel Schokolade.
Ansonsten freut sich der Gastwirt Adisso, wenn wir im Bereich „Trompete“ (Flurname durch uns vergeben) auch mal seine Kneipe „Trumpet Coffee“ besuchen und dort ein Bier trinken oder einen äthiopischen Schnaps hineinwürgen (der Schnaps nennt sich Araki, hat nichts mit dem griechischem zu tun, schmeckt eher wie eine Mischung aus Kohl und Autoreifen und wird reichlich aus einer Alu-Teekanne ausgereicht; knapp 100 ml kosten für uns umgerechnet 6 Euro-ct.). Zur Ehre des Hauses wird mir dann eine Trompete gereicht (unser Geschenk vor einigen Jahren, da wir dem Haus den Namen gegeben haben), auf der ich dann ein oder zwei Lieder blase. In diesem Jahr konnten wir einen Solarstrahler mit Bewegungsmelder am Eingang der Kneipe festmachen, worüber sich die Frau von Gastwirt Adisso so freute, dass sie einen kleinen Tanz vollführte.
Das Wetter: Die Tage waren geprägt von durchwachsenem Wetter, tagsüber meist schön, aber oft windig, vereinzelt Regenschauer. Die Nächte waren meist stürmisch, die Morgenstunden manchmal auch nebelig und nasskalt.
5. Situation unserer Energieanlage; Verbraucherverhalten
Jedes Mal ist es ein spannender Moment, in Tula einzufahren. Steht die Windkraftanlage noch? Arbeiten die Wechselrichter und die PV-Regler noch? Gab es Blitzeinschläge? Ist die gesamte Leitungsführung intakt oder gab es Kurzschlüsse? Wie ist es mit der Gebäudesubstanz unserer Energiezentralen bestellt? Wir konnten dankbar sein, dass alles in allem intakt war. Die Anlage beider Strombereiche (E-Zentrale 1 und 2) funktionierten, wenn auch mit Einschränkungen (vgl. dazu Punkt 8.1.). Auch war die 2024 installierte separate E-Anlage der großen Kirche voll intakt.
Allerdings zeigten sich viele Strommasten weiterhin als z. T. extrem desolat. Dazu mehr unter Punkt 8. 2. Leider kommt es in der Regenzeit durch hohen Nachtverbrauch zu Stromausfällen, besonders im Bereich E-Haus II (vgl. dazu die Punkte 7.2. und 8.1.).
Der Werkzeugbestand im E-Haus I zeigte wenige Lücken. Alle vier Akkuschrauber waren vorhanden und funktionstüchtig. Allerdings fehlten uns sämtliche lange Verlängerungskabel, die wir uns im Januar 2025 extra hergestellt hatten, um unser Camp und auch das Windrad mit Strom erreichen zu können (für Werkzeuge). Auf Nachfrage gaben dann doch die Techniker zu, diese für Freileitungen genutzt und zerschnitten zu haben. Aus neuem Kabelmaterial aus Hossana bauten wir uns dann neue Verlängerungen zusammen.
Was unsere Dorftechniker anlangt, gab es Verände-rungen. Unser Haupttechniker Misgano ist weiter am Werk (Bild Mitte). Er ist auch z. Z. so etwas wie ein Bürgermeister (diese werden alle zwei Jahre aus der Bevölkerung neu gewählt). Almaz, die Frau im Team, hat ein 2. Kind bekommen und ist nur teilweise ein-satzbereit. Markos ist – wie mancher andere Jugend-liche auch – nach Südafrika abgewandert. Ersatz wur-de gefunden in Mitiku, der uns bereits als Zimmer-mann gut bekannt ist, da er die Holzkonstruktion unserer E-Häuser errichtet hatte (rechts im Bild; links unser Übersetzer Liranso Solomon).
6. Stand des Netzausbaues in Tula
Im Januar 2025 waren in Tula noch ca. 18 Hütten anzuschließen incl. der 10 Sonderanschlüsse der Morsito-Hütten jenseits unserer großen Wiese. Nun war diese Anschlussarbeit durch unsere dortigen Techniker (und mit Hilfe unserer Verlängerungskabel) abgeschlossen, so dass der Netzausbau in Tula Ort zu Ende gebracht werden konnte.
Angeschlossen sind im Bereich E-Haus I: 160 Hütten incl. Schule, Dorfverwaltung und Mekane Yesus Kirche. Im Bereich E-Haus II sind 100 Hütten angeschlossen.
Die Große Kirche hat seit 2024 eine Separatanlage. Das Taldorf „Gambo-Village“ (12 Hütten) soll 2026 eine PV-gestützte Separatanlage erhalten.
7. Umsetzung der Ziele
7. 1. Wiederinbetriebnahme der Windkraftanlage; Einbau einer Windrad-Steuerung
Windenergie ist deutlich komplizierter zu händeln als Solarenergie. Eine Solaranlage hat eine definierte Spitzen-spannung bzw. Spitzenleistung und kann bei Energieüberangebot einfach abgeschaltet oder kurzgeschlossen werden, ohne, dass sie Schaden nimmt. Die Leistung einer Windenergieanlage ist bei Sturm nach oben viel offener. Die Maschine darf niemals abgeschaltet werden, da sie im Freilauf durch höchste Drehzahlen „explo-dieren“ könnte. Sie muss z. B. im Falle voller Batterien stufenweise mit Ersatzverbrauchern „gefüttert“ werden, um das Windrad im Zaum zu halten. Als Ersatzverbraucher dienen Heizwiderstände. Um dies gezielt zu regeln, bedarf es einer elektronischen Lastabwurfregelung, die Überspannungen erkennt und dann Stufe für Stufe Heizwiederstände ein- oder ausschaltet. Damit wird das Windrad gebremst oder wieder ein Stück freigegeben.
Eine solche Schaltung (programmierbare Schwellwertschalter mit Leistungsschützen, also ganz klassisch) konnte in Rüsseina konstruiert und nun in Tula eingebaut wer-den. Damit der Zoll die gesamte Schaltung nicht zu Gesicht bekommt, hatten wir diese vor dem Transport demontiert und alle Einzelteile in verschiedenen Koffern verteilt. In Tula musste sie dann wieder komplett zusammengebaut werden.
Im Probebetrieb konnten wir die Regelung in Betrieb nehmen. Sie funktioniert tadellos. Großer Dank gilt unseren beiden Elektro-ingenieuren Andreas Ritter und Tino Hannß für die überlegte und umfangreiche Einrichtung der Elektrozentrale! Durch eine Sturmnacht hindurch wurde erfolgreich ein Härtetest vollzogen, den die Schaltung fehlerfrei bewältigte.
Es zeigte sich allerdings, dass wir an der Windkraftanlage noch eine mechanische Verbesserung vornehmen müssen: Nachdem sich der Generatorkopf mit Rotor bei schweren Sturmböen nach oben in eine Art Hubschrauberstellung bewegt (mechanische Lastbegrenzung) setzt er beim Wiederabsenken in die Horizontalstellung (auf Grund zu geringen Rotordrehzahl) oft zu hart auf, was eine unerwünschte mechanische Belastung für das gesamte System bedeutet. Dieses Problem zu lösen wird Aufgabe der nächsten Aktion im Januar 2026 sein. Um die Windkraft-anlage jetzt nicht unnötig mechanisch zu belasten, haben wir sie (bis Januar) noch einmal stillgelegt. Dann sollte auch das Vogelnest in der Maschine beseitigt sein.
In der besagten Testnacht zeigte es sich, dass die nächtliche Energieabsenkung in den Batterien durch den Windrad-Input deutlich angehoben wurde und der Start in den neuen (Sonnen-)Tag mit einer noch gut geladenen Batterie beginnen konnte. Die Kombination von Wind- und Solarenergie - Nachtwind + Sonnenenergie am Tag - zeigt sich hier als eine außerordentlich sinnvolle Ergänzung.
7. 2. Installation einer automatischen Nachtabschaltung
Bereits in den vergangenen Jahren mussten wir feststellen, dass viele Verbraucher im Dorf Licht und Geräte ganz offenbar durch die gesamte Nacht hin angeschaltet lassen. Im vergangenen Jahr konnten wir z. B. 2.00 Uhr nachts einen Verbrauch von über 600 Watt feststellen. In diesem Jahr war es bedeutend mehr, so dass bei einem Durchschnittstagesverbrauch von ca. 30 KWh allein in einer Nacht (freilich samstags) 19 KWh verbraucht worden waren. Damit gehen die Batterien quasi fast leer in den neuen Tag. Alle Belehrungen zum Trotz hat sich dieses Verbraucherverhalten nicht verändert.
Deshalb hatten wir bereits im Januar 2025 angekündigt, eine automatische Nachtabschaltung zu installieren, was wir nun in beiden E-Häusern in die Tat umgesetzt haben. Unsere Dorftechniker haben dieser Maßnahme ausdrücklich zugestimmt. Andreas Ritter hat dazu nach Beratung mit dem Wechselrichtervertrieb Victron Energy in Döbeln beide Wechselrichter umprogrammiert und beide Schaltungen erfolgreich eingebaut. Damit werden die Batterien nachts deutlich entlastet. In beiden E-Häuser steht aber der Strom auch in der Abschaltphase zur Verfügung. Auch lässt sich die Nachtabschaltung bei Bedarf (Dorffest o. ä.) mit einem Schalter überbrücken.
Im Zuge der Montage im E-Haus II konnte auch gleich noch ein Softwarefehler im Wechselrichter behoben werden, der seit geraumer Zeit das Laden per Dieselaggregat verhindert hatte.
7. 3. Recherchen/ Planungen zum Separatprojekt „Gambo-Village“
Weit im Norden von Tula, hinter der Trompetenregion, fällt das Land sehr steil ab in ein Tal. Da unten, ca. 1 km von Tula entfernt, liegt das Gabo-Village. 12 Familien wohnen da verstreut am Hang auf einer Länge von ca. einem knappen Kilometer. Da eine Zuleitung von Tula aus nicht sinnvoll ist, die Dorfbewohner aber im Februar 2025 vehement auch Strom eingefordert haben, entschlossen wir uns, in diesem Taldorf eine solargestützte Separatanlage mit Batterieblock und Wechselrichter zu installieren, wobei die Verkabelung durch die Techniker erfolgen muss. Damit das Unternehmen im Januar 2026 erfolgreich umgesetzt werden kann, bedurfte es konkreter Recherchen.
Geklärt werden musste:
- auf welches Dach die Solarplatten montiert und wo eine kleine Elektrostation gebaut werden kann und
- ob es eine Zufahrt für den Jeep gibt.
Erstere Frage konnte schnell gelöst werden. Mitten im Dörfchen konnte ein neu gebautes Haus mit Wellblechdach ausgemacht werden, das ideal sonnenbestrahlt und unbeschattet gelegen ist. Zum Glück war der Hausbesitzer, ein junger Mann mit ver-witweter Mutter, sofort bereit, das Dach als Solardach zur Verfügung zu stellen. Nach längerer Diskussion mehrerer anwesender Dorfältesten wurde beschlossen, das Privatdach zur öffentlichen Nutzung freizugeben. Die kleine Elektrostation soll dann extern in der Nähe des Hauses errichtet werden.
Was die Zuwegung betrifft: Wir konnten einen Weg ausmachen, der nach ca. einem halben Kilometer in einen gut befahrbaren Weg mündet (Luftbild: gelb mar-kierter Weg). Die Zuwe-gung selber muss durch die Kommune aber noch an einigen Stellen geebnet werden, damit der Jeep das Dörfchen erreichen kann. Auch dies wurde durch die Dorf-gemeinschaft gleich vor Ort beschlossen. Damit ist der Weg frei für diese Separatanlage. Sowohl der Wechsel-richter als auch die Solar-Panels und Kabel wurden bereits gekauft und liegen in Addis Abeba bereit.
7. 4. Verteilung von Nutzer-Merkblättern an alle Hütten
Damit die wichtigsten Informationen die Nutzer erreichen, haben wir ein laminiertes, mit Piktogrammen versehenes Nutzer-Merkblatt erstellt, das unser Freund Wolde in Berlin ins Amharische übersetzt hat. Hierin sind die wichtigsten Verhaltensregeln festgehalten (hier in Stichworten): Vorrede: Energieprojekt Tula ist ein Experiment. Strom nur begrenzt verfügbar. Mit Sparsamkeit für das Gelingen sorgen.
- Licht nur anschalten, wenn Bedarf
- Nur LED-Lampen und Kleinverbraucher; keine TV-Geräte und Großverbraucher
- Gefahrenpotential durch elektrischen Strom
- Bei Problemen keine Selbstreparatur; Techniker rufen
- Wird ein Strommast brüchig – einen Masten bereitstellen und die Techniker rufen.
- Büsche freischneiden, damit Kabel frei hängen können
7. 5. Haussicherungskästen, Filtersack für Elektronik-Wandler
Vorbereitend für die Aktion 2026 konnten durch Sammy Lantzsch ausreichend Haussicherungskästen montiert werden. Die aufklappbaren Kunststoffkistchen sind aus der Spielzeugabteilung von Ikea. Darin verbirgt sich eine trennbare Sicherung für den Hauseingang (nur 500 mA zur Leistungsbegrenzung).
Zudem konnte Sammy Lantzsch (unter großem Interesse verschiedener Mädchen) einen Filtersack nähen. Er soll den Eintrag von Staub in die E-Wandler (Abwärtswandler für die Windkraft) minimieren.
8. Problemanzeigen
8. 1. „Schwache Batterien“ im E-Haus II
Zu diesem Problem gab es extra eine Dorfversammlung der betroffenen Region um das E-Haus II. Das Problem: Die Batterien halten nur noch wenige Stunden durch.
Ich habe die Gründe deutlich gemacht:
1. Die Akkus sind bereits sehr alt (13 Jahre in Betrieb) und
2. Der hohe Nachtverbrauch.
Klar ist: Die Akkus müssen ersetzt werden. Fragt sich nur, wann und wie. Da wir unmöglich deswegen wieder einen Seetransport mit deutschen 2-Volt-Einzelzellen bewältigen können, werden wir auf 12-Volt Solar-Gelbatterien aus Fernost zurückgreifen müssen, die es in Addis Abeba zu kaufen gibt (z. Z. für eine 200 Ah-Batterie 60.600,00 EB (=365 Euro). Davon brauchte man 18 Stück, um den großen Batterieblock (24 V 1.800 Ah) zu ersetzen. Dies allein ergibt eine Summe von ca. 6.500 Euro. Dazu kommen noch 6 Batterien für das Gambo-Village, macht noch einmal 2.200 Euro. Durch die steigende Inflation könnten die Kosten für uns sinken. Unklar bleibt, ob der Preis sich so halten würde.
Die Altbatterien können zwecks Recycling in Addis Abeba aufgekauft werden.
8.2. Desolate Strommasten/ Wartungskonzept
Im Februar 2025 wurde mit den Technikern vereinbart, dass sie Stück für Stück desolate Strommasten ersetzen. Dafür haben wir eine Wartungsprämie von 200 EB/ Mast (umgerechnet 1,20 Euro) ausgesetzt. Die Techniker haben 50 Masten erneuert. Viele Masten bleiben erneuerungsbedürftig.
In einer innerdörflichen Zuwegung wurden z. B. viele Eukalyptusbäume gefällt, um die Straße zu verbreitern. Die parallel dazu verlaufende Freiluftleitung war dabei schwer mitgenommen. Man hatte die Büsche direkt auf die Leitung fallen lassen, so dass diese unter das Geäst gedrückt war. Es ist ein Wunder, dass dabei kein Kabel gerissen ist. Andere Masten im Ort stehen schräg oder werden nur noch vom Kabel gehalten.
Wir werden anstreben, dass jede Familie einen Masten vorhalten sollte. Dabei werden wir zur Konservierung die „Ankohlmethode“ vorstellen.
8. 3. Finanzsystem ohne Rücklagenbildung
Im Januar wurde durch wichtige Dorfälteste in meiner Anwesenheit klar bestätigt, dass der Strombeitrag von 40 auf 60 EB angehoben werden soll. Auf meine Frage, ob dies geschehen ist, gab es ein Drucksen und die Aussage: Der Beitrag sei auf 55 EB angehoben worden. Hier läge ein Missverständnis vor. Auf meine Frage, wie denn das Geld verwendet wird, gab es folgende Aussage:
Vom Beitrag eines jeden Hauses bekommen:
- 40 EB die drei Techniker (entspr. einem Monatslohn/Techniker von 3.466 EB)
- 15 EB die drei Wächter
Damit wäre der gesamte Strombetrag verteilt, ohne einen Rücklagebetrag zu haben. Dies haben wir (wiederholt) sehr deutlich angesprochen: Ohne Rücklagenbildung kann das System nicht auf Dauer funktionieren. Wir werden ihnen kein Geld geben. Hier stoßen wir wiederholt auf eine der schwierigsten Fragen: In dieser naturnahen Gesellschaft brauchte es Jahrtausende keine Rücklagen. Man konnte sich jederzeit aus der Natur holen, was man brauchte. Rücklagenbildung kommt irgendwie im Denken der Leute da nicht vor. Unser Vorschlag war: Wenigsten 60 EB zu erheben und davon 5 EB in die Rücklage legen. Wir werden an dieser Sache noch einmal hart dran bleiben müssen.
9. Gesamtkosten der Projektfahrt Oktober 2025
Da noch zwei größere Rechnungsbelege aus Addis Abeba ausstehen, lässt sich die Summer der Ausgaben für diesen Projektschritt Oktober 2025 nur schätzen. Incl. der Ausgaben im Vorfeld für die Regeltechnik werden die Gesamtausgaben der Aktion Oktober 2025 bei ca. 8.000,00 Euro liegen. Inbegriffen sind dabei allerdings schon Ausgaben für 2026 (Gambo-Village) in Höhe von ca. 4.500 Euro (Kabel, PV).
10. Perspektiven/ Vorhaben für 2026
Im Januar 2026 steht eine entscheidende und rel. umfangreiche Aktionsphase an, mit der wir – wenn alles gut ginge – den Ausbau von Tula (unsererseits) fertigstellen könnten.
- Kauf von Batterien in Addis Abeba
- Konstruktive Änderungen an der Windkraftanlage (Kippvorrichtung, vgl. Punkt 7. 1.); Prüfung und ggf. Erneuerung der Verbolzung des Drehkranzes; Lackierung der Rotorblätter.
- Vervollständigung der PV-„Balkonanlage“ auf der Schule (12 PV-Panele)
- Installation der PV-Platten auf dem Wohnhausdach im Gambo-Village; Bau einer kleinen E-Station und Installation der Technik
- Schulprojekt „Workshop für Schüler“: Dieses Projekt muss offiziell über den Schulträger angekurbelt werden.
- Beziehung zur Uni Hossana: Kann es zu einer Kooperation kommen? Dazu muss die Mekane Yesus- Kirche über die Universitätsleitung gehen.
Tula könnte dann ein Vorzeigeobjekt in puncto „Inselenergielösung“ in Äthiopien sein. Es ist deshalb auch besonders dazu geeignet, da wir in Tula mittlerweile drei verschiedene Modelle umgesetzt haben werden:
- Eine „Große Lösung“ für sehr viele Hütten (Bereiche E-Haus I und II)
- Eine „Kleine Lösung“ für ein kleines Dorf (Gambo-Village)
- Eine Separatlösung für einen einzigen größeren Gebäudekomplex (Große Kirche)
11. Spenden sammeln für 2026
Da beide Aktionen 2025 die Rücklagen unseres Vereines fast aufgebraucht haben, benötigen wir für den letzten Kraftakt 2026 noch einmal erhebliche Geldmittel (besonders für die Batterien; schätzungsweise aber insges. 14.000 Euro). Wir können diese nur durch eine konzertierte Spendenaktion einwerben. Dazu soll es im November 2025 einen Spendenaufruf geben.
Wer bereits jetzt uns unterstützen möchte, hier unsere Konto-Verbindung:
Windenergie Äthiopien e.V. :
LKG Sachsen/KD-Bank
IBAN DE81 350 601 901 600 076 015
BIC GENODED1DKD
Zweck: Spende Energieprojekt Tula/ Äthiopien
(bitte mit vollständigem Namen und Adresse, damit wir eine Spendenbescheinigung ausstellen können)
12. Dank
Unsere gesamten Aktivitäten in Äthiopien sind nur möglich durch die finanzielle Unterstützung vieler privater Spender und hier ansässigen Firmen. Ganz herzlichen Dank ihnen! Wir danken ebenfalls unseren Projektteilnehmern, dass sie Geld und Zeit für diese gemeinnützige Arbeit eingesetzt haben.
gez. Dr. J. Hahn
Vors. „Windenergie Äthiopien e. V.“