Projektbericht Januar 2026

Projektbericht Januar 2026
Ergebnisbericht zur Projektreise nach Tula/ Äthiopien 9. – 28. Januar 2026

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Mitreisende

(v. l. n. r.):
Gerhard Wehner, Haßlau bei Roßwein (Gruppe 1)
Andreas Ritter, Siebenlehn (Gruppe 2)
oben: Bernd Hinze, Rehagen (Gruppe 1)
Mario Böer, Nürnberg (Gruppe 2)
unten: Liranso Solomon, Hosanna/Äthiopien
Samantha Lantzsch, Starbach (Gruppe 2)
Tino Hannß, Waldheim (Gruppe 2)
Jochen Hahn, Rüsseina (Gruppe 1)

Gruppe 1: 9. – 28. Januar
Gruppe 2: 16. – 28. Januar

Inhalt

  1. Ausgangslage und Ziele der Projektreise Januar 2026
  2. Reiseinformationen/ Zollabfertigung
  3. Besuch der Entwicklungshilfeabteilung der Mekane Yesus-Kirche, Reise nach Hosanna/ Tula
  4. Unser Leben im Dorf – Dorfleben in Tula
  5. Umsetzung der Ziele
    1. Nachrüstung und Wiederinbetriebnahme der Windenergieanlage, automatischer Notstopp
    2. Austausch des Batterieblockes in der Elektrozentrale 2
    3. Fertigstellung der Zusatz-PV-Anlage auf dem Schuldach
    4. Neuerrichtung einer separaten PV-Energieanlage im Gambo-Village – Musteranlage für kleinere Dorfeinheiten
    5. Schulung der Techniker
    6. Die Frage „Beziehung zur Universität Hosanna“
    7. Erledigung kleinerer Vorhaben
      a) Neuausstattung unserer „Wasserkarre“
      b) Ausstattung unserer Felddusche mit einer Heizpatrone
  6. Verbraucherverhalten, Messergebnisse
  7. Stand des Netzausbaues in Tula
  8. Die Dorfversammlung – Informationen/ Vereinbarungen
  9. Gesamtkosten der Projektfahrt Januar 2026
  10. Perspektiven/ Vorhaben für 2027
  11. Dank

1. Ausgangslage und Ziele der Projektreise Januar 2026

Im Oktober 2025 konnte eine kleinere Projektgruppe wesentliche Vorbereitungen treffen für die Großaktion 2026. Dazu gehörten:

  1. Einbau und Test einer neuen elektronischen Windradsteuerung.
  2. Einbau und Programmierung einer automatischen Nachtabschaltung in beiden bestehenden Elektrozentralen.
  3. Recherchen zur Errichtung einer kleineren PV-gestützten Energiezentrale im abgelegenen Dorfteil „Gambo-Village“ (Zufahrt, Auswahl eines Solardaches, Verantwortlichkeiten …)

Die Komplettierung der PV-Anlage auf dem Schuldach (um weitere 12 PV-Panels) konnte aus Zeitgründen nicht realisiert werden.
Die elektronische Steuerung der Windkraftanlage konnte erfolgreich getestet werden. Das Windrad wurde aber dennoch nicht in Betrieb genommen, da sich bezüglich der mechanischen Lastbegrenzung (Hochkippen des Maschinenkopfes in Hubschrauberstellung bzw. Zurückkippen in die Horizontale) mechanische Überbelastungen abzeichneten (Notwendigkeit der Dämpfung).

Ziele dieser Januar-Reise waren folgende:

  1. Windenergieanlage: Einbau von Sicherungselementen am Maschinenkopf und Wiederinbetriebnahme der Windkraftanlage.
  2. Einbau einer elektronischen Notabschaltung der Windkraftanlage.
  3. Komplettierung der PV-Anlage auf dem Schuldach.
  4. Auswechselung des großen Akkublockes in der Elektrozentrale 2.
  5. Installation einer dritten kleineren Elektrozentrale im abgelegenen Dorfteil „Gambo-Village“
  6. Klärung organisatorischer Fragen mit der Dorfverwaltung.
  7. Kontaktaufnahme mit der Technischen Universität Hosanna incl. Vorstellung des Projektes vor Ort.
  8. Erledigung kleinerer Vorhaben:
    a) Neuausstattung unserer Sackkarre („Wasserkarre“) mit Achse und Rädern
    b) Ausstattung unserer Felddusche mit einer Heizpatrone

2. Reiseinformationen/ Zollabfertigung/ Umtauschkurs

Da die Flugkosten bei Turkish Airlines sprunghaft gestiegen waren, flogen wir mit Egypt Airlines (ca. 530,00 Euro/Person). Von Berlin aus ging es über Kairo nach Addis (ca. 15.00 Uhr Berlin ab – ca. 4.00 Uhr Addis an).

Wie auch in den Vorjahren fuhren wir in zwei Gruppen, um effektiver die Zeit zu nutzen. Aufgabe von Gruppe 1 war es, alle Einkäufe zu koordinieren, Transportmittel zu ordern und in Tula die Zeltplatzinfrastruktur zu schaffen sowie erste Arbeiten zu verrichten. Gruppe 2 konnte dann sofort in die Arbeiten einsteigen.

Da wir im Gepäck kaum zollsensible Waren hatten, kamen wir sehr unbe-schadet und schnell durch die Zoll-kontrolle. Lediglich Feuerzeuge wurden einigen Teilnehmern in Kairo abgenommen (in Deutschland ist ein Feuerzeug/ Person im Handgepäck erlaubt).

In Äthiopien herrscht eine sich weiter entwickelnde Inflation. Das äthiopische Birr (EB) verliert gegenüber dem Euro immer weiter an Wert (2005: 1:10; 2013: 1:25; 2019: 1:32; 2021: 1:53; 2024: 1:63; Januar 2025: 1:136; Oktober 2025: 1: 166; Januar 2026: 1:182). Fast alle Waren wurden dadurch für uns z. T. erheblich günstiger, und dies gerade bei kostspieligen Produkten. Für die 24 Akkus (je 200 Ah, 12 V) hätten wir 2024 noch 24.000 Euro bezahlen müssen (was wir hätten gar nicht bezahlen können). Jetzt mussten wir „nur noch“ 8.000 Euro auf den Tisch legen. Eigenartig ist, dass die Inflation lt. Umrechnung im Lande nicht einfach „nachzieht“. Die Preise blieben – auch bei importierten Waren – z. T. gleich oder zogen nur moderat an (Diesel ist für die Bevölkerung mit 120 EB freilich teurer geworden, für uns kam er nur 0,66 Euro). Eine Preissteigerung nach Euro-Umtauschkurs wäre für die Bevölkerung überhaupt nicht machbar. Wohin diese Geldentwertung noch führen wird, ist noch nicht abzuschätzen, wird es doch zunehmend zu einer Preisschere bes. bei importierten Waren kommen.

Da in Äthiopien noch der alte julianische Kalender aus der Römerzeit gilt, leben die Äthiopier jetzt im Jahr 2018.

3. Ankommen in Addis Abeba, Besorgungen, Besuch der Entwicklungshilfeabteilung der Mekane Yesus Kirche, Reise nach Hossana/ Tula

Dank der Familie unseres Freundes Wolde Giorgies Demissie wurden wir vom Flughafen mitten am frühen Morgen abgeholt. Der Jeep mit Driver Nas war gebucht. Seit ca. zwei Jahren ist die Stadt erleuchtet mit zig Tausend Lampen, Leuchten und Lichterketten. Trotz Strommangels scheint das Repräsentationsbedürfnis des Staates hoch zu sein. So konnten wir den Rest der Nacht in der Wohnung der Familie verbringen incl. eines zünftigen Frühstückes.

Die wichtigsten Besorgungen hatte unser Freund Abiti (Wolde-Familie) bereits 2025 realisiert: 2 km Kabel sowie noch 20 PV-Panels für das Gambo-Village. Offen war noch der Kauf von 24 Stück Solarakkus (á 200 Ah) und Kleinigkeiten (Bohrmaschine). Dass gleich in der Nähe der Woldefamilie ein neuer Werkzeugladen aufge-macht hatte, ersparte und eine lange Fahrt durch die Stadt.

Nachmittags konnten wir die Entwicklungshilfeabteilung der Mekane Yesus Kirche besuchen, um mit dem dorti-gen Koordinator Solomon Shiferaw ins Gespräch zu kommen. Seit ca. 2014 besteht eine vertraglich festge-machte offizielle Partnerschaft zwischen der Mekane Yesus Kirche und unserem Verein „Windenergie Äthiopien e. V.“ Besonderer Schwerpunkt war das Zustandekommen eines Kontaktes zur Technischen Universität Hosanna. Dieser Kontakt war bereits her-gestellt mit dem zuständigen Leiter der Energieabteilung der Universität, Dr. Mulatu.

Unserem Wunsch, das äthiopische Fernsehen ins Spiel zu bringen, scheiterte bereits daran, dass wir die gesamten Kosten der Produktion hätten übernehmen müssen. Eine Zusammenarbeit mit einem Regionalsender war angedacht, blieb aber im Trüben.

Am Folgetag (11. 1.) ging es Richtung Süden über die Westroute (Woliso) 270 km nach der Süd-Bezirksstadt Hosanna. Spannend für uns: Nachdem wir im Oktober 2025 Hosanna im „aufgewühlten“ Zustand antrafen – überall wurde an den Straßen gebaggert – staunten wir nicht schlecht, dass Straßen und Abflusskanäle tatsächlich weitgehend fertiggestellt werden konnten - z. T. sogar mit Begrünung und extra Fahrradstreifen (freilich muss die Stadt noch auf die Fahrradfahrer warten).

Der Abend im LEM-International Hotel verbrachten wir traditionsgemäß mit unserem langjährigen Freund und Übersetzer, dem Ingenieur Liranso Solomon (auf dem Bild dann mit Gruppe 2). Mit ihm wurde das Projekt durchgesprochen und Einkäufe geplant. Am Folgetag sollten die Einkäufe erledigt und die Auffahrt nach Tula realisiert werden.

Für die Auffahrt nach Tula wählten wir einen anderen Weg, der zwar 10 km länger, aber insgesamt wenigstens eine solide Schotterbiste bot, die uns ein Versacken des Jeeps im Schlamm (wie im Oktober) ersparte.

4. Unser Leben im Dorf – Dorfleben in Tula

Wie auch sonst konnten wir unser Zelt-Camp geschützt innerhalb eines Familienverbandes nahe des E-Hauses I und des Windradhügels aufschlagen. Zelte, Küchenaus-rüstung, Holzkohlekocher und sonstige Utensilien sind im Elektrohaus in einer großen rattensicheren Kiste verstaut. Es bleibt dennoch immer eine Herausforderung, all die Dinge, die auf verschiedene Koffer und Kunst-stoff-Fässer verteilt sind, aufzufinden und zu ordnen. Da wir anfangs nur zu dritt waren („Die Rentnertruppe“). hielten wir den Umfang der Essenszubereitung begrenzt. Was brauchst du mehr als Brot, Wurst, Käse, Fisch, Möhren und … gutes Bier. Alles andere haben wir im Gepäck oder lassen es uns aus Hosanna bringen. Dank der gut erstellten Inventarliste durch Sammy Lantzsch konnten wir gezielt die nötigen Nahrungsmittel aus Deutschland mitbringen – wie sich zeigte, in sehr reichlicher Weise.

Während das Trinkwasser ausschließlich aus Hosanna (Mineralwasserflaschen) kommt, nutzen wir zum Waschen, Abwaschen und Kochen das Brunnenwasser, das uns vom nahegelegenen Brunnen in Kanistern gebracht wird. Nicht immer ist es klar … Am sichersten bleibt das Bier, dass es sogar in einer dunklen Lehmhütte in Tula zu kaufen gibt. Alles wird auf Holzkohlekochern heiß gemacht. Für die tägliche Notdurft nutzen wir seit Jahren als Toilette eine aufrecht gestellten Transportkiste vom letzten Großtransport (mit Kunststoffbrille!). Leider neigt sie sich nun bedrohlich zur Seite, so dass eine „Neufundamentierung“ mittels Palette dringend nötig wird. Unter dem PV-Dach haben wir eine Felddusche installiert (Kunststoff-Fass mit Brause, sogar mit E-Pumpe zum Hochpumpen), die nun Dank einer Heizpatrone sogar warmes Wasser spendet. Der Begriff „Warmduscher“ wäre allerdings hier etwas übertrieben.

Dank des großen Tunnelzeltes mit weitem Vorraum können wir bei Kühle und Wind die Mahlzeiten ge-schützt einnehmen und Material sicher verstauen (Danke, lb. Jürgen Reinhard, für dieses Geschenk, das wir seit Jahren als unverzichtbares Hauptquartier nutzen!).

Wie sonst auch gibt es an jedem Abend eine Einladung der Gastfamilie in ihre große Rundhütte (Durchmesser 10 m!), wo es in Gemeinschaft mit dem gesamten Viehbestand Kaffee und geröstete Körner (Kollo) oder Kotscho gibt (eine aus der falschen Banane gewonnene verbackene Masse). Traditionsgemäß überreichen wir allabendlich der Familie eine Tafel Schokolade.

Problem Höhe: Dass man in knapp 3.000 m ü. M. bei Anstrengung ziemlich nach Luft schöpfen muss, ist bekannt. Auch, dass das Wasser bei nur etwas über 90° C kocht und Kartoffeln wie Eier viel länger brauchen, um gar zu sein, gehört zu unseren Erfahrungen. Für uns weniger nachvollziehbar ist die Tatsache, dass Feuerzeuge nicht funktionieren, selbst Sturmfeuerzeuge nicht, die wir dennoch durch den Zoll brachten. Einzig elektrische (aufladbare) Feuerzeuge, die einen Lichtbogen erzeugen, konnten wir erfolgreich nutzen, um Feuer zu machen.

Wetter: Januar/ Februar ist die beste Reisezeit für uns. Es ist durchweg trocken und schön. Tagsüber geht das Thermometer meist bei Sonnenschein bis auf ca. 25-27 °C. Abends beginnt es schnell, kälter zu werden. Am Morgen hatten wir dann z. T. Temperaturen um die 6-8 °C. Die Nächte sind oft windig bis stürmisch, was den Ertrag der Windmühle begünstigt. Der Sternenhimmel ist bei Wolkenlosigkeit phänomenal. Gegen Morgen steht das Kreuz des Südens klar am Himmel. Der Große Wagen steht im Norden dicht über dem Horizont. Da wir uns noch südlich des nördlichen Wendekreises der Sonne befinden, steht die Sonne im Januar/ Februar im Süden. Im Juni steht sie dann steil im Norden, was für die Ausrichtung der Solardächer zu beachten ist.

Die Trockenzeit im Januar/ Februar wird als „Winter“ bezeichnet, die Regenzeit im Juli/ August als „Sommer“, also wie bei uns, nur mit anderer Wettercharakteristik.

Was und wie die Leute in Tula essen: Gleich vornweg: Obwohl Nutztiere überall herumlaufen, gibt es nur sehr selten im Jahr Fleisch zu essen. Da nichts haltbar gemacht werden kann, sind es meist festliche Anlässe mit vielen Essern. Ansonsten ernährt sich die Bevölkerung in Tula weitgehend vegetarisch. Hauptnahrungsmittel ist die sog. Falsche Banane, Kotscho genannt. Sieht aus wie eine Bananenstaude, hat aber mit der Banane nichts zu tun. Die Stauden können bis zu 7 m hoch werden und haben einen Stamm bis zu 60/70 cm Durchmesser. Das weißliche Mark wird herausgekämmt. Nebenprodukt sind Faserbüschel, die zu Matten verar-beitet werden. Das Kotscho-Mark wird dann in einer Erdgrube ein Jahr lang fermentiert. Danach wird es – gleich-sam als Silage – gehoben und verbacken. Ähnliches geschieht mit Teilen der Wurzel, die hochwertiger ist und Bula genannt wird. Ansonsten wird Weizen (dort etwa dunkler mit halb langen Grannen), Gerste und Grünkohl angebaut. In diesen hohen Lagen gedeihen nur begrenzt Kartoffeln. Das in Äthiopien als Volksgetreide weit verbreitete Teff gedeiht in dieser Höhe nicht. Es wird vom Markt geholt. Es ist ein sehr mineralhaltiges grasähnliches Wildge-treide, dessen Körner so klein sind wie Mohnkörner. Die daraus gemachten säuer-lichen Brotfladen nennt man Injera. Auch diese werden in Tula verzehrt. Vorgesetzt wurden uns auch mehrfach Spagetti und Linsen. Gegessen wird mit der rechten Hand. Man reißt ein Stück Injera-Fladen ab und wickelt darin – mehr oder weniger geschickt – andere Speisen ein und stopft sich das Paket in den Mund. Fällt etwas herunter – auch nicht so schlimm. Der Boden ist ja nur gestampfter Lehm, gemischt mit Kuhdung. Wert gelegt wird vor jedem Essen auf ein einfaches Händewaschen (da geht einer mit einer kleinen Kanne und Wasserschüssel herum). Getrunken wird Kaffee oder angesäuerte Milch (die gewürzt mit dem scharfen Chili-Gewürz „Mitmit“ durchaus gut trinkbar ist. Ich habe davon erstaunlicherweise noch nie Durchfall bekommen.) Kaffee mit gewürzter Butter und Salz bietet man uns nicht mehr an. Es gilt zwar als etwas Besonderes. Die Leute wissen aber mittlerweile, dass diese Art Kaffee bei uns nicht die Nummer 1 ist. Käse gibt es nur in Form von „Krümelquark-Käse“.

Was uns auffällt: Uns ist in Tula – und da sollen über 2.500 Menschen wohnen – bisher keine einzige korpulente Person begegnet. Auch gibt es keine sichtbaren Zeichen einer Mangelernährung. Die Vollkost macht es möglich. Schlimm wird es allerdings, wenn der Regen in der Regenzeit ausfällt. Das kommt nur selten vor. Dann ist die Not groß, da es nur geringe Nahrungsrücklagen gibt. Regime sind darüber ins Wanken geraten (Kaiser Haile Selassi 1974, aber auch Mengistu Haile Mariam – Dürre 1984/85).

Wasser: Die häufigsten Kleintransporte in Äthiopien sind Wassertransporte. Die ursprünglich Pflanzenöl ent-haltenen gelben Kunststoffkanister prägen das Bild im öffentlichen Leben. In der Stadt auf offenen Eselskarren oder auf dem Dorf auf Esels-rücken werden sie kilometer-weit in die Häuser gebracht. Abgesehen von einzelnen kleinen Handkurbelschöpfwerken gibt es in dem weit gestreckten Tula (ca. 3x3 km) lediglich zwei öffentliche Handwasser-pumpen. Da überlegst du dir dreimal, wie du mit Wasser umgehst. Die Körperwäsche fällt minimalistisch aus. Gemüse wird generell nicht gekocht – zu viel Wasserverbrauch. Alles wird gedünstet oder gebacken. Wir haben Glück: nur 100 m entfernt liegt die eine öffentliche Dorfwasserhandpumpe. Manchmal steht eine Schlange Menschen davor, geduldig, bis jeder dran ist. Es kommt vor, dass wir vorzugsweise bedient werden. Für den Transport dient „unserer“ Familie eine Art Sackkarre, die wir eigentlich für andere Trans-portzwecke in Addis extra anfertigen ließen. Gut, dass zufälligerweise gerade zwei Kanister auf Hochkant da reinpassen.

Läden/ Gastronomie: Wir wissen von zwei kleinen Läden, die in kleinen Lehmhütten mit Wellblechdach untergebracht sind, jede ca. 2x3 m groß, vollgestopft mit vielen Dingen des täglichen Bedarfes. Eine Gastronomie gibt es nur in Form von zwei „Schnapskneipen“, die Bier, vor allem aber den üblichen hart gebrannten „Araki“ anbieten, den man kaum zu sich nehmen kann, ohne dass es einen schüttelt - ein Geschmackserlebnis zwischen Kohl und neuem Autoreifen. Ca. 50% Alkohol hat dieses Getränk. Woraus es gebrannt wird, will man eher nicht wissen. In unserer „Stamm-kneipe“, dem „Trompet Coffee“, trinken wir einen zur Höflichkeit. Wenn man sich umschaut - und die Leute können alle noch sehen - dann kannst du einen heben. Da wir dieser Kneipe vor Jahren ihren Namen gegeben und dies mit dem Geschenk einer alten Trompete verbunden haben, wird mir regelmäßig beim ersten Besuch die Trompete gereicht, deren Ventile ich erst einmal mit Wasser gangbar machen muss, um danach – zur Belustigung der Anwesenden - ein kleines Ständchen darzubieten. In diesem Jahr erlebten wir es auch, dass zu Radiomusik Männer in der Kneipe tanzten. Das alles ist unglaublich urig.

Wie man Getreide erntet und drischt: Die Art, wie die Menschen in Tula säen, ernten und dreschen, ist noch die, wie sie es vermutlich vor 2.000 Jahren getan haben. Geackert wird mit Ochsen und Hakenpflug bzw. in Hanglagen mit dem Grabstock in rhythmischer gemeinsamer Arbeit. Gesät wird mit der Hand, geerntet wird – hockend – mit der Sichel (Sensen sind unbekannt). Das Getreide wird danach per Hand oder Esel vom Feld getragen und auf sauber gesetzte Feimen gestapelt. Von da wird es beim Dreschen auf einem runden Dreschplatz aufgeschüttet. Pferde oder Ochsen werden dann darüber im Kreis geführt, bis die Körner durch das Trampeln der Hufe ausgedroschen sind. Danach wird das Getreide „gereinigt“, indem das Stroh mit einer naturgewachsenen Holzgabel immer wieder in die Luft geworfen wird. Am Ende des Tages bleibt ein Häufchen Getreidekörner, die mit einer handgeschnitzten Holzschaufel in einen Sack abgefüllt werden.
In diesen bergigen Regionen Äthiopiens – und davon gibt es sehr viele – werden alle nur erdenklichen Flächen landwirtschaftlich genutzt. Selbst auf Steillagen wird angebaut. Der Arbeitsaufwand ist enorm. Technik lässt sich in diesen Regionen kaum nutzen. Was wir allerdings beim Durchfahren durch Ort-schaften unterwegs gesehen haben, waren einzelne Mini-Dreschmaschinen.

Verständigung/ Sprache: In Äthiopien gibt es zur allgemeinen Verstän-digung die amharische Sprache. Die Schriftzeichen sind einmalig und sehr kompliziert. Da es in Äthiopien 82 Lokalsprachen mit über 200 Dialekten gibt, gilt das Amharische als wichtige Verständigungsbrücke. In der Region Hosanna/ Tula wird Hadya gesprochen. Im Unterschied zum Amharischen werden lateinische Buchstaben verwendet. Da wir weder der einen noch der anderen Sprache mächtig sind, wird über Englisch kommuniziert, was allerdings in Tula kaum jemand versteht, obwohl in der Schule Englisch gelehrt wird. Eine unersetzbare Schlüssel-person ist uns seit vielen Jahren der Ingenieur Liranso Solomon geworden. Mit technischem Verstand, guten Englischkenntnissen und als Kind der Hadya-Region begleitet er uns, regelt offene Fragen, organisiert Treffen oder Materialien aus der Stadt. Ohne diese wichtige Person könnten wir in Tula nichts wirklich ausrichten. Liranso hat als Ingenieur sogar unser Modell der Insel-Energieerzeugung bereits an anderer Stelle im Süden Äthiopiens übertragen.

5. Umsetzung der Ziele

5.1. Nachrüstung und Wiederinbetriebnahme der Windenergieanlage, automatischer Notstopp

Diese Maßnahme galt im Vorfeld aus zwei Gründen als etwas heikel. Zum einen wussten wir nicht, ob die Seilwinde mit interner Bremsscheibe nach ca. achtjährigem Nichtgebrauch ein sicheres Absenken der Windkraftanlage noch gewährleisten kann. Zum andern war nicht 100%ig klar, ob die in Deutschland vorbereiteten Komponenten wirklich passen würden, konnten wir doch nur an Hand alter Unterlagen die Maße abschätzen.

Folgendes Problem musste behoben werden: Im Sturmfall neigt sich der Windradkopf durch starken Winddruck nach oben, um die Leistung zu begrenzen. Problem dabei: Durch unzureichenden Anschlag geriet die Rotorachse fast in eine Senkrechte, so dass der Rotor fast nicht mehr drehte.

Nach Abflauen der Windböe fiel der Maschinenkopf – mitbedingt durch fehlende Kreiselkräfte – schlagartig in die Aus-gangsposition nach unten, was zu einer nicht hinnembaren mechanischen Beanspruchung des gesamten Rotors führte. Ziel war es daher, mittels dünner Stahlseile die Kippneigung auf ca. 45 Grad zu begrenzen und zusätzlich durch Luftdämpfer ein weiches Wiederaufsetzen des Maschinenkopfes zu gewährleisten.

Dies konnte – fast wider Erwarten – alles ohne Probleme reali-siert werden. Besonderen Dank gilt hier dem Handwerksbetrieb „Metallbau Pilz“ in Rüsseina, die alle Kompo-nenten mit Umsicht und Ideen vorbereitet hatten.

Dennoch gab es eine Schreckminute: Das Windrad war problemlos umgelegt. Wir hatten es mit einem Holz-bock zusätzlich abgestützt. Nach einer kleinen Mittagspause stellten wir fest, dass die Kurbel der Seilwinde war. Kinder hatten sie – offenbar als „Trophäe“ – abgeschraubt und entführt. Nur durch Hinweise anderer Kinder konnten wir das Haus ausfindig machen, in dem dann die Kurbel wieder aufgetaucht ist. Ansonsten hätten wir ein ziemliches Problem bekommen …

Zusätzlich nutzten wir die Gelegenheit, die stark angewitterten Rotorblätter zu schleifen und neu zu lackieren. Hier hatten wir afrikanische Helfer, die diese Arbeit mit großer Freude mit ausführen halfen.

Nach Eintreffen der 2. Gruppe konnte die geplante elektronische Notstopp-Einrichtung in der Elektro-zentrale montiert und erfolgreich getestet werden. Der Sinn dieser Einrichtung: Sollte die Windrad-steuerung (Spannungsbegrenzung) versagen und die Spannung in unerlaubte Höhen gehen, muss zum Schutz des Windrades und der Elektronik ein Not-stopp aktiviert werden, der durch Kurzschluss-schaltung die Windenergieanlage zum Stillstand bringt. Eine außen angebrachte Warnlampe signalisiert dann dem Nachtwächter, dass die Techniker das Windrad dann endgültig sichern müssen. Die Notstoppschaltung konnte erfolgreich getestet werden.

Besonderen Dank gilt hier auch der Firma „Trafo-Nickel“ in Meißen, die uns zwecks Herabsetzung einer Steuerspannung für die gesamte Windradsteuerung einen kleinen Spezialtrafo gewickelt hat, der auch widrigen Umständen (niedrige Frequenzen) standhält.

5.2. Austausch des Batterieblockes in der Elektrozentrale 2

Nach 13 Jahren Betrieb hatte der damals in Deutschland gekaufte Akku-block (12x 2V-Blei-Gel-Einzelzellen, je ca. 70 kg schwer, insges. 24 V, 1.800 Ah) keine ausreichend große Kapazität mehr. Im E-Haus 2 installiert, führte dies im entsprechenden Teilnetz zu Stromausfällen. Dies wurde uns im Oktober 2025 mitgeteilt verbunden mit der Bitte, doch eine Lösung zu finden. Gut wäre der Ersatz mit gleichen Akkus aus Deutschland, da diese aus wenigen Zellen bestehende Spezialbatterie robust und auf Dauerbetrieb ausgelegt ist. Da ein erneuter Schiffstransport nicht realisierbar erscheint, mussten wir ausweichen auf 18x12 V Solar-Gel-Akkus (á 200 Ah), vermut-lich aus asiatischer Produktion mit einer Gesamtkapazität von 1.800 Ah (bei 24 V). Diese konnten wir in Addis erwerben (Stück umgerechnet 333 Euro).

So konnten die Akkus (incl. Kabel und PV-Panels) per LKW nach Tula transportiert werden. Die Altakkus wurden gleich wie-der nach Addis mitgenommen, um sie dort recyceln zu lassen.

Nun war es ein wenig „Heimarbeit“ im Zeltlager, viele Kabelbrücken aus dickem 50²-Kupferkabel mit jeweiligen Press-Ringösenenden herzustellen, um jeweils zwei Akkus in Reihe und neun solcher Ein-heiten parallel zu verschalten. Ideal ist dies nicht, kommt es doch durch diese Kabelwege zu internen Spannungsabfällen. Zudem besteht auf Grund der Vielzahl von Einzelzellen die Gefahr, dass defekte Einzelzellen das Gesamtsystem schwächen. Das System funktioniert und wir werden sehen (und prüfen), wie sich die Akkus auf Dauer verhalten.

5.3. Fertigstellung der Zusatz-PV-Anlage auf dem Schuldach

Tula hat eine Schule, in der ca. 700 Kinder unterrichtet werden. Die Großen vormittags, die Kleinen nachmit-tags. Es sind einfachste Lehmgebäude mit Wellblechdach. Da pro Klassenzimmer nur eine Fensterluke existiert, ist ein Unterrichten nur bei offener Tür möglich, da das Licht auf die (sehr desolate) Tafel fällt. Im Raum drängen sich über 30 Kinder auf einfachstem Gestühl. Einzelne Räume erscheinen uns ungenutzt. Es gibt praktisch keine Lehrmittel, es sei denn, Darstellungen wurden per Hand auf Papier oder Wände gemalt. Die Schule (nur einzelne Räume) ist an das Stromnetz von E-Station 1 angeschlossen.

Bereits im Januar 2025 wurden 12 von insgesamt geplanten 24 PV-Panels auf das Dach eines der Schulgebäude montiert, da die Lage dieses Daches für PV gut geeignet ist. Ziel war es, per Mikrowechselrichter (sog. „Balkonanlagen“) zusätzlich Energie in unser Netzt zurück-einzuspeisen. Dabei ist der Hauptwechselrichter in der Elektrozentrale in der Lage, überschüs-sige Energie zurück in die Batterien zu geben. Ob wir hinsichtlich der Fülle der anstehenden Aufgaben die übrigen 12 Panels zu montieren in der Lage sein werden, war vorher unklar. Da die Arbeiten am Windrad aber so zügig vonstattenge-gangen waren, konnten wir (Gruppe 1) an einem Tag 12 PV-Panels auf das Dach der Schule aufbringen. Die Arbeit war dadurch erleichtert, dass die Holzunterkonstruktion bereits im Januar 2025 aufgebracht worden war. An einem weiteren Tag war es dann möglich, alle Zuleitungen und Anschlüsse im Gebäude fertigzustellen und die Gesamt-anlage (3x 1,6 KW-Mikrowechselrichter) in Betrieb zu nehmen.

5.4. Neuerrichtung einer separaten PV-Energieanlage für das Gambo-Village – Musteranlage für kleinere Dorfeinheiten

Dies war einer der heikelsten Hauptschwerpunkte unserer Projektreise. Tief unten im Tal, ca. 1 km vom nörd-lichen Dorfrand entfernt, gibt es noch 15 Grundstücke, von denen wir bis vor kurzem nichts wussten, die aber noch zu Tula gehören. Da über diese Entfernung ein Zuleitungskabel nicht sinnvoll erschien, hatten wir uns entschlossen, eine kleinere separate PV-gestützte Energieeinheit zu errichten. Dazu braucht es einen Batterie-block (6x 12 V-Akkus á 200 Ah), einen Hybrid-Wechselrichter mit Batterie- und PV-Eingang und 230 V AC-Ausgang (eigentlich 3,5 KW, bei 3000 m Höhe allerdings nur etwas über 2,5 KW Leistung), einer Zähler- und Sicherungseinheit sowie eine Blitzschutzeinheit mit Metall-Erdungsband. Das Material war, bis auf die Akkus, bereits 2025 beschafft worden.

Als größere Herausforderung entpuppte sich die Zufahrt zum Gambo-Village. Während man per Fußweg von unserem Camp lediglich reichlich 3 km zurücklegen musste (vom oberen nördlichen Dorfrand nur einen Kilometer ins Tal), musste der Jeep 8 km auf harter Schotterpiste zurücklegen, um an den Rand des Gambo-Village zu kommen. Der Versuch, mit dem Jeep einen immerhin vorbereitete 300 m langen „Modderweg“ zum Dorf hochzufahren endete fast dramatisch. Der Jeep versackte im pulvrigen Boden und drohte hangabwärts zu kippen. Nur mit Seilen und der Kraft vieler Helfer konnte er herausgezogen werden. So blieb zum Antransport der Batterien, der PV-Panels, der Kabel und anderer Technik nur die menschliche Tragekraft vieler bereitwilliger Helfer aus dem Dorf.

Eine weitere Herausforderung stand unverhofft an: Bereits 2025 wurde ein neu errichtetes Wohnhaus mit ideal geneigtem Wellblechdach ausgemacht. Die Familie war mit der PV-Montage einverstanden. Dies wurde zu Beginn unseres diesjährigen Aufenthaltes noch einmal vor Ort ausdrücklich bestätigt, so dass die Arbeiten am Folgetag beginnen sollten. Doch es kam anders. Am Folgetag wurde uns mitgeteilt, dass auf Grund des Einwandes eines Familienmitgliedes aus Addis die Dachmontage der PV-Panels nicht gestattet wurde. So entschloss sich die Kommune kurzer-hand zum Bau eines neuen Gebäudes mit aus-reichend großer Dachfläche, freilich in Hanglage. Zwei Tage später – es war Sonntag – machten wir alle zusammen (die Gruppe 2 war gerade ange-reist) eine Wanderung zum Gambo-Village, um den Zwischenstand der Arbeiten zu inspizieren. Tatsächlich stand dort bereits eine fast geschlos-sene Holzkonstruktion mit Wellblechdach. Leider stimmten die von uns angegebenen Maße nicht. Das Gebäude war deutlich höher, als von uns geplant (Absturzgefahr) und ca. 2 m zu kurz. Kein Problem: „Dann bauen wir eben noch etwas an. Da könnte ja auch gleich der Nachtwächter ein „Zimmer“ bekommen.“ Gesagt, getan. Die Kosten für das zusätzliche Wellblech übernahmen dann wir, um den Fortgang des Baues nicht zu gefährden. Bereits wiederholt haben wir die Erfahrung machen müssen, dass aufgezeich-nete Maße „anders aufgefasst“ wurden. Warum, wissen wir nicht.

Dennoch ist es erstaunlich, mit welcher Effizienz und Geschwindigkeit solche Holzkonstruktionen errichtet werden, muss man doch bedenken, dass alle Eukalyptusstämme mit dem Beil gefällt, geteilt und längs in der Mitte aufgespalten werden, um raue Spillen zu erzeugen, an denen sich später der Lehmbewurf festkrallen kann. Alles wird vernagelt. So konnte ein Teil unserer Gruppe bereits an den Folgetagen (19.-21. 1.) die Holzunterkonstruktion mittels Eukalyptusstangen aufschrauben, die PV-Platten aufbringen und innen die Technik installieren incl. Innenlicht, Schalter und Steckdosen für die zwei Räume. Es war von Vorteil, dass der Schaltplatz bereits im E-Haus 1 auf einer Holzplatte vorgefertigt war.

Es war eine Freude, zusehen zu können, als das erste Licht im Beisein aller Mitwirkenden angeschaltet wurde. Nun bleibt den Leuten im Dorf noch, die nahe stehenden Eukalyptusbäume zu fällen, da sie die Anlage verschatten. Zudem bleibt es Aufgabe der Techniker, die Freiluftkabel in die Häuser zu ziehen. Immerhin sind die Grundstücke auf ca. 800 m verteilt. In der Regenzeit sollen dann die Außenwände noch mit Lehm beworfen werden. Da die Sehnsucht nach etwas Strom sehr groß ist, gehen wir sicher davon aus, dass alle noch zu erledigenden Aufgaben in den nächsten Monaten erfolgen werden.

Abschließend kann festgestellt werden, dass solch eine separate kompakte Anlage für eine begrenzte Zahl von Hütten eine gute Lösung wäre für kleinere Dorfeinheiten, sagen wir so zwischen 15 …. 30 Wohnhütten. In diesem Falle brauchte man nur eine etwas größere Version des Wechselrichters (unser Wechselrichter mit einer Nennleistung von 3,5 KW ist auch für 5 KW erhältlich) und wenigen zusätzlichen Akkus. Der technische Gesamtaufwand ist dabei sehr übersichtlich und einfach aufgebaut.

5.5. Schulung der Techniker

In den ersten Jahren unserer Tätigkeit in Tula (2011-2013) wurden auf unsere Initiative hin drei junge Leute zu Wartungstechnikern ausgebildet. Die theoretische Ausbildung erfolgte im College in Hosanna, die praktische Ausbildung durch uns vor Ort. Zwei dieser Techniker sind noch da, Misgano, der Haupttechniker und Almaz, eine junge Frau mit mittlerweile zwei Kindern. Die dritte Technikerstelle musste zweimal nachbesetzt werden, da die betreffenden jungen Leute nach Südafrika abgewandert waren. Nun wurde Mitiku, ein älterer Mann, nachberufen, der freilich keinerlei elektrische Kenntnis besitzt, ansonsten aber ein geschickter Holzarbeiter ist. Die Techniker sind in der Lage, sämtliche Freileitungen zu ziehen incl. aller Hausanschlüsse mit Haussicherungskasten, Verteilerdose, Schalter, Steckdose und Lampe. Misgano ist freilich der einzige, der elektro-technisch gewisse Einblicke hat, auch in unsere Elektroschaltzentrale.

Ein wichtiger Ausbildungsschritt ergab sich durch die Kontrolle der Blitzschutzventile, die eine auftretende Überspannung in die Erde ableiten. Zwei solcher Blitzschutzventile waren bereits durchgebrannt (zum Glück haben sie funktioniert!) und mussten durch uns/ durch die Techniker ausgetauscht werden. Die Techniker werden in Zukunft auf diese Spezialsicherungen besonders achten.

Um die Ausbildung zu unterstützen und aufzufrischen, konnte durch uns ein illustriertes Wartungshandbuch verfasst werden, das dank der Hilfe unseres äthiopischen Freundes Wolde Giorgis Demissie ins Amharische übersetzt werden konnte. Dieses Handbuch konnten wir mit den Techni-kern durchsprechen und übergeben. Es wird im nächsten Projektschritt nötig sein, den Dorftechnikern eine auffrischende bzw. weitergehende Ausbildung angedeihen zu lassen.

5.6. Die Frage „Beziehung zur Universität Hosanna“

Ziel muss es sein, dieses Projekt auf mehrere Beine zu stellen. Unsere Vorstellung geht in Richtung Universität. Da diese in Hosanna regelrecht vor der Tür ist, streben wir eine Partnerschaft mit dieser Uni-versität an. Dies wurde organisatorisch vorbereitet durch unseren Koordinator der Mekane Yesus Kirche in Addis, Herrn Solomon Shiferaw. Es kam am Abend unserer Ankunft im LEM-Hotel in Hosanna auch tatsächlich zu einem Treffen mit dem zuständigen Leiter der Energieabteilung der Universität, Dr. Mulatu, ein engagiert wirkender Mann um die 40er. Dieser versprach, sich mit allen zuständigen Behörden ins Benehmen zu setzen, um hier ein Projekt der Universität offiziell in den Blick zu nehmen. Ausgemacht hatten wir, dass Dr. Mulatu ggf. mit Studenten in den Tagen unserer Anwesenheit die Anlage besichtigt, um sich danach ein Bild machen zu können über Möglichkeiten der Nutzung dieses Projektes für den Lehrbetrieb. Leider kam es nicht zu dem gewünschten Treffen, da Prüfungen anstanden. Wir haben dies sehr bedauert, werden aber weiter an der Universität dranbleiben.

5.7. Erledigung kleinerer Vorhaben

a) Neuausstattung unserer Sackkarre („Wasserkarre“) mit Achse und Rädern

Vor Jahren hatten wir – eigentlich zum Transport von Mastelementen – in Addis eine Art Sackkarre bauen lassen, die nun bereits jahrelang als Wasserkarre in unserer Gastfamilie genutzt wird. Auf Grund ausgeschlagener Lager (Staubbelastung) war sie kaum noch nutzbar. Nun hatten wir über Metallbau Pilz, Rüsseina, eine neue Achse anfertigen lassen für neue Räder. So konnten wir per Flex und Schweißgerät die Achse tauschen. Nun rollert die alte Karre wieder mit neuen Rädern zur Wasserpumpe. Auch wir haben ja dann wieder einen Nutzen davon. Die Familie ist glücklich.

b) Ausstattung unserer Felddusche mit einer Heizpatrone

Ein Minimum an Komfort muss sein. Da fast täglich nur Sparwäsche angesagt ist, freut sich der Leib auch einmal über eine Ganzwäsche, und zwar mit warmen Wasser. Die Firma Innotherm aus Döbeln hatte uns eine spezielle 1 KW-Heizpatrone mit Thermostat dazu angefertigt. Wir konnten sie unter unserem Solar-dach in ein hochgestelltes Kunststoff-Fass montieren. Das Frischwasser wird per Pumpe nach oben befördert. Ein extra Schauglas-Schlauch macht den Wasserstand sichtbar. Per Strick und Umlenkrolle kann dann noch ein Wassermischer bedient werden, damit auf Grund der Wärmeschichtung nicht erst der letzte Duscher zum Warmduscher wird.

6. Verbraucherverhalten, Messergebnisse

Es ist eine der spannendsten Fragen, die die Perspektive unserer Energieanlage betrifft: Wie verändert sich das Verbraucherverhalten der Menschen in Tula. Wird es stetig steigen? Kommen zu den bereits bestehen-den 27 TV-Geräten neue hinzu? Wann kommt die Anlage an die Grenzen ihrer Leistungsfähigkeit? Mit der Fertigstellung der PV-Anlage auf dem Schuldach und der Wiederinbetriebnahme der Windkraftanlage haben wir nun für diese Anlage das Maximum der Energieerzeugung erreicht. Fast täglich mache ich dies-bezügliche Messungen in der Hauptzentrale. Immerhin sind hier ca. 170 Hütten angeschlossen.
Alles in allem scheint der Energieverbrauch nicht mehr stetig weiter zu steigen. Das ist eine ausgesprochen gute Nachricht. Die Menschen in Tula scheinen sich zu bescheiden – jedenfalls jetzt. Wie dies später aus-sehen wird, kann jetzt noch nicht gesagt werden.

Folgende Ergebnisse:

a) Hauptabnahmezeiten: In den Hauptabnahmezeiten abends zwischen 19.00 und 21.00 Uhr und am Morgen um 7.00/8.00 Uhr liegt der Momentanleistungsabgang ins Dorf bei ca. 1.800 Watt. Am Tag liegt er lediglich bei ca. 500 Watt.
Zum Vergleich: In den Hauptverbrauchszeiten wird in Tula für über 150 Hütten lediglich so viel Energie verbraucht wie in unseren Küchen zwei Kochplatten (!) auf dem Herd benötigen.

b) Gesamttagesverbrauch: Der Gesamttagesverbrauch im Bereich von E-Haus 1 liegt durchschnittlich bei 20 KWh/24 Std. Dass dies etwas weniger ist als in den vergangenen Jahren liegt freilich daran, dass wir in der Nacht zwischen 24.00 und 6.00 Uhr den Strom über eine Automatik ganz rausschalten. Grund dafür liegt in der Erfahrung, dass sehr viele Hütten das Licht über die gesamte Nacht einfach haben brennen lassen. Das hatte uns unnötige Verluste von ca. 5 KWh gebracht.

c) Die Leistung der Windkraftanlage: Die Windkraftanlage erzeugt bei Schwachwind über Nacht nur ca. 2 KWh, bei Starkwind dann aber immerhin bis 10 KWh. Die Windkraftanlage hat in der Nacht eine wichtige Funktion. Sie hebt im Falle von Windaufkommen die Spannungssenke der Nacht deutlich an, so dass der Akku am Morgen nicht an der letzten Kante ist und von einem höheren Spannungsniveau in den Tag starten kann.

d) Illegaler Verbraucher: Am Morgen konnte ich regelmäßig einen plötzlichen Mehrabgang von 1.200 Watt über 5-10 Min. registrieren. Hier nutzt definitiv eine Familie ein Heizgerät, vermutlich einen kleineren Wasserkocher. Dies wird dann zum Problem, wenn der Akku am Morgen kurz vor der Abschaltgrenze (ca. 23,2 V) steht, durch den plötzlichen Mehrverbrauch dann die Abschaltgrenze unterschritten wird und die gesamte Anlage abschaltet. Dann hat das Dorf keinen Strom mehr. Dieser kommt erst wieder, wenn der Akku über 26 V aufgeladen ist. Das kann mehrere Stunden dauern…

e) Problem eigenmächtiger Sicherungswechsel: Dass größere Verbraucher überhaupt genutzt werden können, muss daran liegen, dass illegal eine stärkere Haussicherung eingesetzt wurde. Das muss noch nicht einmal böswillig geschehen. Wir nutzen eine kleine Glassicherung von 500 mA (max. ca. 110 Watt Leistung). Wenn diese durchgebrannt ist, haben sich die Leute unten in Hosanna eigenmächtig neue besorgt ohne eine Ahnung von der Stärke der Sicherung zu haben. Da es im Handel üblicherweise eher stärkere Sicherungen gibt (z. B. 6 A oder gar 10 A), ist dann automatisch eine höhere Leistung abrufbar. Dieses Problem wurde ausführlich in der Dorfversammlung mitgeteilt. Das in die Häuser verteilte Merk-blatt (amharisch mit Piktogrammen) weist ausdrücklich darauf hin, dass sämtliche Arbeiten nur durch die Techniker versehen werden müssen, die unsere Sicherungen dann einsetzen.

7. Stand des Netzausbaues in Tula

Mit der Errichtung der 3. Energiezentrale im Gambo-Village stehen wir kurz vor dem Abschluss des Netzausbaues in Tula. Wenn die Techniker dort alle 15 Grundstücke angeschlossen haben, dürften dann insgesamt rund 270 Hütten in Tula Strom haben. Damit wäre dann der Netzausbau abgeschlossen.

8. Die Dorfversammlung – Informationen/ Vereinbarungen

Am Ende jeder Projektaktion berufen wir eine Dorfver-sammlung ein, um wichtige Dinge zu klären bzw. Informationen weiterzugeben. Die Inhalte der Versammlung haben wir in kleiner Runde vorbereitet. Die Versammlung selbst wurde dann in „unserem“ Grundstück auf der Wiese abgehalten. Die wichtigsten Punkte waren folgende:

  1. Netzausbau: Wir informieren über der Stand des Netz-ausbaues bzw. über alle durch uns verrichteten Arbeiten.
  2. Nachtabschaltung: Klärung zur Nachtabschaltung. Die Abschaltzeit wird auf Wunsch der Bevölkerung um eine Stunde nach hinten verschoben (nun 24.00-6.00 Uhr).
  3. Sonderverbraucher: Problemanzeige illegaler Sonderverbraucher. Die Kommune wird dieser noch unbekannten Familie nachgehen.
  4. Illegaler Sicherungswechsel (vgl. unter Punkt 6. e): Klärung: Alle Eingriffe in die Elektrik dürfen nur durch die Techniker erfolgen. Eine Vergütung dafür (Vorschlag 50 Birr) soll in der Dorfverwaltung (Kebeleverwaltung) besprochen werden. Eigenmächtige Sicherungswechsel sind untersagt.
  5. Strombeitrag: Der Strombeitrag pro Familie liegt der-zeit bei 55 Birr. Da nur eine geringe Rücklage gebildet werden konnte (10.000 Birr), bitten wir um Erhöhung auf 75 Birr/ Monat. Wir informieren darüber, dass ohne Rück-lagenbildung solch eine Anlage nicht betrieben werden kann. Dies soll in der Dorfverwaltung besprochen werden.
  6. Finanzsystem: Der Bürgermeister stellt das derzeitige Finanzsystem vor:
    • Zahlende Familien: 230; mehrere Familien sind von der Zahlung aus sozialen Gründen befreit.
    • Monatliche Einkunft bei 230 Beiträgen von 55 Birr: 12.620 Birr
      * Lohn für 3 Techniker: 3 x 2.700 Birr = 8.100 Birr
      * Lohn für 3 Nachtwächter: 3 x 1.500 Birr = 4.500 Birr
      Macht zusammen 12.600 Birr. Damit bleibt praktisch nichts für eine Rücklage übrig. Würde ein monat-licher Beitrag von 70 Birr/Familie erhoben, bliebe – bei gleichen Lohnkosten – ein Rücklageplus von 3.500 Birr/Monat, was eine Jahresrücklage von 42.000 Birr ergäbe.
      (Für laufende Ausgaben wäre das völlig ausreichend: 50 Liter Diesel für den Backup-Generator kosten z. B. 6.000 Birr; für Ersatzanschaffungen wäre allerdings auch dieser Betrag zu gering: 60.000 Birr kostet allein eine Batterie, 100.000 Birr würde ein neues Dieselaggregat kosten)
  7. Fällung von Bäumen: Notwendigkeit der Fällung einzelner Eukalyptusbäume, die in Windrichtung zum Windrad stehen.
  8. Verteilung der Nutzungsrichtlinien: Im Oktober 2025 wurden durch uns laminierte Merkblätter zur Stromnutzung verteilt (in amharischer Sprache, leicht verständlich mit Piktogrammen). Leider wurden diese Merkblätter bisher noch nicht an alle Familien verteilt. Dies muss dringend noch geschehen.
  9. Auswechselung von desolaten Strommasten: Da etliche Strommasten in einem bedrohlich desolaten Zustand sind, erinnern wir an folgenden Grundsatz: Die betr. Familie meldet den Technikern Bedarf an. Sie fällt den Baum und bereitet den Masten vor incl. Erdloch. Die Techniker errichten dann den Masten und hängen das Kabel um. Wir bedanken uns bei den Technikern, die in den vergangenen Monaten verstärkt Masten ausgewechselt haben. Wir verschweigen dabei allerdings, dass wir – um einen Anreiz für dieses wichtige Vorhaben zu schaffen – den Technikern eine „Mastprämie“ von insges. 200 Birr/ ausgetauschtem
    Mast auszahlen (nach jetzigem Umrechnungskurs für uns 1,10 Euro). Dies scheint gut zu funktionieren und verschafft den Technikern ein dringend notwendiges Zusatzeinkommen (da sie für Hüttenneuanschlüsse nach Ausbauschluss nichts mehr bekommen können).
  10. Beschwerden aus der Nachbargemeinde: Bewohner der Nachbarkommune Morsito beschweren sich sehr lautstark, dass sie nicht angeschlossen werden. Wir machen unser Verständnis darüber deutlich, stehen doch deren Häuser direkt an der Kommunalgrenze. Wir machen aber auch deutlich, dass die Kapazität der Anlage begrenzt ist (aus einem Literglas Wasser können nicht zwei Liter herausgenommen werden).
  11. Bitte um Mitwirken am Gelingen: Wir machen abschließend deutlich, dass dieses Tula-Energie-projekt in Äthiopien einmalig ist und zum Gelingen dieses Experimentes das Mitwirken der Bevölkerung nötig ist.
    Wir bekommen für unsere Arbeit einen großen Applaus aus der Versammlung. Mehrere Anwesende bringen ihre Dankbarkeit zum Ausdruck, dass wir verlässlich immer wiedergekommen sind und angekün-digte Vorhaben auch tatsächlich umgesetzt haben.

9. Gesamtkosten der Projektfahrt Januar 2026

Incl. technischer Anschaffungen im Vorfeld liegen die Ausgaben bei ca. 12.800 Euro. Durch die Inflation im Land konnten wir manches günstiger einkaufen, als geplant. Mitgerechnet werden müssten hier aller-dings die Ausgaben für PV-Panels und Kabel, die bereits Ende 2025 in Äthiopien besorgt und bereits be-zahlt waren. Hier kämen noch ca. 4.500 Euro dazu. Alle Flugkosten (incl. Visakosten) und die Beköstigung in Äthiopien haben – wie immer – die Projektteilnehmer privat getragen.

10. Perspektiven/ Vorhaben für 2027

Da nun die materialaufwendigen Arbeiten zum Abschluss kamen, können wir uns nun eher dem Problem „Wartung“ und „Ausbildung“ widmen. Schwerpunkt dabei wird sein, die gesamten Kabelstrecken durch-zukontrollieren hinsichtlich der Masten, der Zuleitungen und der Absicherungen (hier wird der Tausch größerer gegen kleinere Sicherungsautomaten angezeigt sein). Zudem werden wir nun die bereits ange-dachten Projekte „Beziehung zur Universität“ bzw. „Workshop in der Schule“ weiter vorantreiben.

Wir hoffen, dass die Anlage funktioniert und es zu keinen gravierenden Schäden kommt (Blitzeinschlag o ä.). Die nächste Projektreise könnte im Januar/ Februar 2027 stattfinden.

11. Dank

Unsere gesamten Aktivitäten in Äthiopien sind nur möglich durch die finanzielle Unterstützung vieler privater Spender. Die Spendenaktion am Jahresende 2025 hat ein unglaublich positives Ergebnis erbracht, so dass das laufende Projekt finanziell in vollem Umfang abgesichert war. Dies war im Herbst 2025 noch nicht vorauszusehen. Ganz herzlichen Dank allen Unterstützerinnen und Unterstützern!

Besonderen Dank gilt den hier ansässigen Handwerksfirmen, Elektroinstallationsfirma Jarschel & Vater aus Choren, Metallbau Pilz aus Rüsseina, Sanitär Mummet aus Klessig, Trafobau Nickel aus Meißen sowie der Firma Innotherm Döbeln für ihre uneigennützige Hilfe und Zuarbeit.
Wir danken ebenfalls unseren Projektteilnehmern, dass sie Geld und Zeit für dieses Projekt eingesetzt haben.

gez. Dr. J. Hahn
Vors. „Windenergie Äthiopien e. V.“

Fotos: Mitreisende

Spendenkonto

Windenergie Äthiopien e.V. :
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