CreaProtect
Windenergie für Äthiopien

eine Entwicklungshilfe-Windkraftanlage, konstruiert in einer sächsischen Dorfgemeinde

Windkraft in Äthiopien?

Äthiopien ist reich gesegnet und doch eines der ärmsten Länder der Erde. Lediglich 3% aller Dörfer sind mit elektrischer Energie versorgt. Reich gesegnet ist das Land zumindest in größeren Bereichen, mit Wind. Dabei weht der Wind eher dauerhaft, allerdings wenig stürmisch. Die Nutzung der Windenergie wird in Verbindung mit der Wasserkraft, den Bioenergien und Solarenergie als zukunftsweisend für das Land betrachtet. Da es nur wenige Stromtrassen gibt, wird die dezentrale "kleine" Energiegewinnung von Bedeutung sein. Was bisher fehlt, sind ausreichende Erfahrungen in Punkto Stromerzeugung mittels Windenergie. Das Projekt „Windenergie für Debo“ ist in dieser Hinsicht eines der ersten Projekte in Äthiopien. Es ist ein spannendes Unterfangen, da es - bei allen guten Ergebnissen bisher - immer auch eine ständige Auswertung von Erfahrungen und Neuanpassungen in sich birgt. In den Ergebnisberichten wird dies in aller Offenheit zum Ausdruck gebracht.

Technische Erfahrungen mit der Windkraftanlage und Aufrüstung mit Solaranlage 2008

Die Segeltuchwindkraftanlage hatte das Jahr 2007 ohne Schäden überstanden. Allerdings zeigte sich, dass auf Grund der niedrigen Durchschnittswindgeschwindigkeit von ca. 2-3 m/s die bestehende Version mit Getriebe nicht optimal läuft (trotz guter Momentanleistungswerte zu träges Anlaufen und schnelles Abbremsen). Die Anlage bringt im Durchschnitt zu wenig Leistung. Um den Energiebedarf in Debo zu decken, wurde 2008 auf die Umrichterstation eine kleine Solareinheit montiert und in das vorhandene System eingebunden (vgl. Ergebnisbericht 2008). Außerdem wurde 2009 eine getriebelose Windrad-Version montiert, die in Rüsseina mit sehr guten Ergebnissen getestet worden war (ebenfalls weiter entwickelte Trafo-Technik; vgl. „Ergebnisbericht 2009“). Nun werden Wind- und Leistungsdaten in Debo wöchentlich gemessen, um fundierte Kenndaten für die Weiterentwicklung des Projektes zu ermitteln.

weitere Ergebnisberichte: 2010, 2011, 2012, 2013

Das äthiopische Dorf Debo hat endlich Licht!

Das Team CreaProtect war im Februar 2005 mit Dipl. Ing. Wolde Giorgis Demissie auf einer Inspektionsreise in Äthiopien, um die Möglichkeiten einer Projektverwirklichung zu erkunden. Dabei wurde das Projekt-Dorf Debo besucht. Der Dorfältestenrat bat dringlich darum, für die öffentlichen Gebäude des Ortes Elektroenergie bereitzustellen. Im Februar 2006 war das Team wiederum in Debo und hat umfangreiche Vorbereitungsarbeiten erledigt (siehe Unterrubrik „Ergebnisbericht 2006“ auf dieser Home-Page). 2007 endlich konnte das Team CreaProtect die Windkraftanlage, die Umformerstation und die Elektroinstallationen in Kirche, Verwaltung, Schule und Krankenstation in Betrieb nehmen! (vgl. dazu den ausführlichen Bericht unter der Rubrik „Ergebnisbericht 2007“.

2008 erfolgte wiederum eine Montagefahrt zur Wartung, zu organisatorischen Regelungen hinsichtlich der Nachhaltigen Nutzung und zur Systemstabilisierung mittels Solaranlage (vgl. dazu ausführlichen Bericht unter der Rubrik „Ergebnisbericht 2008“).

Im Oktober 2009 konnte die Montagegruppe auf rund bisheriger Erfahrungen die Windenergieanlage umbauen, die Trafotechnik vereinfachen bzw. verstärken und eine Wasserversorgung im Krankenhaus installieren  (vgl. hierzu den ausführlichen „Ergebnisbericht 2009“).

Das Dorf Debo

Debo liegt ca. 410 km nordwestlich von Addis Abeba (Kebele 11, Ost Gojjam Zone) entfernt am Rande eines Nilseitentales, ca. 2.650 m/ü.M. In Debo leben knapp 2.000 Einwohner. Das Dorf ist relativ kompakt besiedelt (ca. 800 m Länge). Die Menschen leben ausschließlich von der Landwirtschaft. Das Dorf liegt geographisch am Geländeabbruch zu einem Nil-Seitental. Am Talabfall liegt auch eines der ältesten Klöster Äthiopiens. Das Geländeprofil ist bis zum Talabfall sehr eben.

Schwerpunkte der Aktionen

Der Schwerpunkt der Elektrifizierung liegt in der Elektrifizierung von Hospital, Schule Kloster und Dorfverwaltung. Dazugekommen ist 2007 und 2008 die Dorfbeleuchtung am Markt zum weiteren Ausbau an der Dorfstraße entlang. Die Beschränkung auf öffentliche Gebäude entsprach dem ursprünglichen Anliegen des Dorfältestenrates und der Intention der Initiativgruppe "Windenergie für Debo", da die Elektrifizierung von Privatgebäuden nur begrenzt machbar ist (begrenzte Leistung der Windenergieanlage; Aufwand der Verkabelung; vgl. dazu im „Ergebnisbericht 2007“ den Abschnitt über die Einführung von Akku-Lampen). Dennoch ist durch die Verstärkung der Anlage 2008 und 2009 eine Ausweitung der Stromversorgung auf Privatgebäude in Marktlage vorgesehen (vgl. „Ergebnisbericht 2009“).

a) Hospital-Health Center

Das Helth-Center in Debo wurde in den vergangenen zwei Jahren durch staatliche Mittel erheblich ausgebaut. 2005 bestand es aus einem kleinen Flachbau mit Nebengebäude. Die Arbeits- und Behandlungsbedingungen waren kläglich. In den Jahren 2006 und 2007 wurden zwei weitere Flachgebäude hinzugefügt, eines massiv mit Elektro-Vorinstallation und ein Lehmbau. Dadurch haben sich die Behandlungsmöglichkeiten deutlich verbessert. Ohne elektrische Energie allerdings hat das Helth-Center wenig Chance, wirklich wirkunsvoll arbeiten zu können. Durch die schnell einsetzende Dunkelheit kann praktisch nur bis 18.00 Uhr behandelt werden. Schon vorher werden die Arbeitsräume düster. Das kleine Labor brauchte dringend elektrische Energie. Zur Kühlung der wenigen Medikamente dient ein alter sowjetischer Kerosin-Kühlschrank Das Hospital ist in weitem Umkreis das einzige und ist nach Aussage des Pflegepersonals für mehr als 30.000 Menschen zuständig (!). 2007 konnte der Gesamtkomplex mit elektrischer Energie versorgt werden. Seit 2009 erfolgt die Wasserförderung mittels Elektropumpe.

b) Schule

In der aus vielen Flachbauten bestehenden Schule werden ca. 2000 Kinder in mehreren großen Klassenräumen und im Freien unterrichtet. Es gibt kompetente Lehrer, die sich für ein Windenergieprojekt sehr interessieren. Die Elektrifizierung von Lehrerarbeitsräumen und einzelner Klassenzimmern könnte Abendkurse möglich machen und zudem bewirken, dass das Thema "Elektroenergie" im Lehrplan Berücksichtigung findet. Z. Z. wurden Lehrerarbeitsräume und ein Versammlungsraum elektrifiziert sowie zwei PCs mit Drucker für PC-Lehrgänge eingerichtet.

c) Das Kloster

Dieses besteht in einer traditionellen Rundkirche und einzelnen kleinen Nebengebäuden. Es wird geleitet von einem jungen Theologen, der die Einführung von Lichtstrom für das Kloster sehr engagiert betreibt und dem Windenergieprojekt sehr aufgeschlossen gegenübersteht. Die Gottesdienste beginnen weit vor Sonnenaufgang.

 

d) Die Dorfverwaltung

Diese besteht aus Verwaltungsgebäude, Bank und Gericht, alles einfache Lehmgebäude. Hier ist der Energiebedarf relativ gering. Energie wird benötigt für Licht und kleine Bürogeräte

e) Die Dienstleistungswerkstatt

Sie wurde im Zuge des Projektes direkt am Markt eingerichtet und durch die ausgebildeten Techniker unter Nutzung des Stromes betrieben. Die Werkstatt hat für die Refinanzierung (Schaffung eines Finanzrücklaufes zur dauerhaften Unterhaltung der Gesamtanlage) eine zentrale Bedeutung (vgl. Details im „Ergebnisbericht 2008“ und „Ergebnisbericht 2009“.

f) Dorfbeleuchtung

Diese wurde 2007 und 2008 für den Markt und einige Straßenzüge durch die zwei Techniker in Eigenleistung aufgebaut. Sie wird per Hand geschaltet. Sie soll weiter ausgebaut werden.

Die Frage der technischen Wartung und der Nachhaltigkeit des Projektes

Voraussetzung für das Projekt ist die Ausbildung von zwei Wartungskräften, die im Dorf Debo ansässig sind. Dies war zwingender Bestandteil für die Projektrealisierung. 2006 konnten durch die Initiativgruppe (und über das Projekt finanziert) sechs junge Leute in Elektrotechnik in Debre Markos in einem Intensivkurs ausgebildet werden (zwei von ihnen vertragsmäßig für das Äthiop. Roten Kreuz). In Debo wurden dann zwei Wartungstechniker ausgewählt, die nun die Anlage warten und täglich betreuen. Ein illustriertes Wartungshandbuch speziell für die Windkraftanlage „CreaProtect 3 KW“ ist durch Dr. J. Hahn leicht verständlich verfasst und durch Dipl.-Ing. W. G. Demissie in die amharischer Sprache übersetzt worden. Es liegt den Wartungstechnikern in Debo vor.

Das Konzept zur nachhaltigen Nutzung der Gesamtanlage wird in den Ergebnisberichten 2008 und 2009 dargelegt.

Die Kosten und die Finanzierung des Projektes

Die Gesamtkosten zur Einführung von CreaProtect in Debo (Stufe 1: Lichtstrom) incl. Reise- und Transportkosten liegen (2005-2009) bei 50.000 €. Die Montagegruppe war für sämtliche Arbeiten incl. der Zeit der Montage ehrenamtlich tätig und hat einen Großteil der Reisekosten sowie Vorauslagen in Höhe von mehreren Tausend Euro privat getragen. Bisher wurde ein Großteil der Kosten über private Einzelspenden finanziert. Dankenswerterweise hat das Diakonische Werk der Landeskirche Sachsen über einen Sonderanlagefond der Landeskirchlichen Kreditgenossenschaft Dresden („Solidaritätssparbrief“) mit 13.000 € einen Teil der 2006/07 angefallen Kosten mit decken helfen.

Perspektive für Debo

Ende 2011 wurde nach Debo staatliche Energieversorgung gelegt, die einige Häuser und einzelne kommunale Objekte versorgt. Unsere alternative Stromversorgung besteht als zweites Netz. Es wird weiterhin genutzt. Auf Beschluss der Kreisverwaltung soll die Werkstatt auch ein kleines Bildungszentrum für Schüler werden (Stand 10-2012). Das Health-Center nutzt weiterhin unsere Energie, da der staatliche Strom sehr oft ausfällt. Deshalb soll die Anlage technisch weiterhin aufgewertet werden. In Zukunft wird der Verein „Selbsthilfe Äthiopien e. V.“ (Berlin) die Begleitung des Projektortes Debo eigenverantwortlich weiterführen.

Konkrete Informationen im „Ergebnisbericht 2012“.