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Windenergie für Äthiopien

eine Entwicklungshilfe-Windkraftanlage, konstruiert in einer sächsischen Dorfgemeinde

Projektfahrt Juni 2017

Windenergie für Tula/ Äthiopien 5. – 10.6.2017

Mitreisende (v. l. n. re.):

  • Jochen Hahn, Pfarrer aus Rüsseina (links)
  • Helfried Vater, Elektromeister aus Choren (rechts)

Bild Mitreisende

Inhalt

  1. Projektvorlauf  2017
  2. Ziel der Inspektion Juni 2017
  3. Kleines Transportproblem
  4. Gnade vor Recht -  Der Zoll in Addis Abeba
  5. Durchkreuzte Pläne
  6. Was wir in Tula vorfanden
  7. Reparaturarbeiten in Tula
  8. Leitungsproblem
  9. Konsequenzen aus den aufgetretenen Problemen
  10. Perspektive
  11. Spenden willkommen

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1. Projektvorlauf 2017

vgl. Projektbericht Januar 2017

Auf Grund eines Blitzeinschlages 2016 waren wir genötigt, im Januar 2017 eine Schadensaufnahme zu machen und mit Hilfe eines Hilfswechselrichters die Anlage erst einmal wieder zum Laufen zu bringen. Dies war uns auch gelungen (vgl. Bericht Januar 2017). Nun stellte sich bei einer Kurzinspektion unseres Vereinsmitgliedes Holger Schneidereit im April 2017 heraus, dass der Hilfswechselrichter wiederum defekt war. Die Gründe kannten wir nicht. Da es für das Dorf ausgesprochen misslich ist, bis zur nächsten Montage-Reise im Januar 2018 ohne Strom dazustehen, haben wir uns entschlossen, der Sache auf den Grund zu gehen.

2. Ziel der Inspektion Juni 2017

Das Ziel war klar: Der defekte Hilfswechselrichter sollte durch einen neuen originalen robusten Wechselrichter (Victron Energy, MultiPlus 5000/24) ersetzt und der durch den Blitzschlag geschädigten MultiPlus 5000/24 als Ersatzgerät repariert werden. Zudem hatten wir vor, ein zusätzliches Dehn-Blitzschutzventil mit austauschbaren Sicherungselementen im Dorfausgang zu installieren. Zudem hatten wir vor, einen weiterentwickelten Windregler einzubauen.

3. Kleines Transportproblem

Der neue Wechselrichter MultiPlus wiegt über 30 kg. Das zulässige Freigepäck beträgt nach Afrika aber nur 2 x 23 kg. Was tun, um den erheblichen Mehrkosten zu entgehen? Wir haben aus dem Wechselrichter die zwei schweren Ringkerntrafos ausgebaut. Beide wogen mit Koffer genau 22,7 kg. So kamen wir durch. Jeder unserer Koffer wog knapp unter 23 kg. So konnten wir am 5. 6. 2017 abends von Dresden aus mit Lufthansa nach Frankfurt und mit Ethiopian Airlines nach Addis Abeba fliegen (Kooperationsflug mit Lufthansa). Zeitlich ist dies die allerbeste und kürzeste Flugvariante. 6.00 Uhr Ortszeit ist man dann schon in Addis Abeba.

4. Gnade vor Recht - Der Zoll in Addis Abeba

Immerhin hatten wir incl. Wechselrichter, Ersatzkomponenten, Blitzschutz und Windregler Waren im Wert von ca. 4.000 Euro dabei. Die Zollkosten von über 1.000 Euro wurden uns erspart. Ein Begleitschreiben der Kirche Mekane Yesus und die Hilfe Gottes machten es möglich, dass man uns nach längeren (freundlichen) Gesprächen durchließ. Wir würden uns von der Kirche her kennen, meinte der Zollmitarbeiter. Wo? Wir wissen es nicht.

5. Durchkreuzte Pläne

Helfried Vater muss immer schon lachen, wenn ich, Jochen Hahn, exakte Pläne schmiede nach dem Motto: „In 5 Stunden sind wir in Hossaina und am nächsten Tag werden wir 10.00 Uhr oben in Tula sein und bis Abend die Arbeiten erledigt haben.“ Immerhin standen wir unter Zeitdruck. Wir hatten für Tula zwei Tage, mehr nicht. Lösten wir die Probleme in dieser Zeit nicht, wäre die gesamte Reise umsonst gewesen.

Doch es kam – eben typisch afrikanisch – anders. Aus Addis fuhren wir weit verspätet ab. Der Jeep unseres altbewährten Chauffeurs Shiferaw musste erst einmal in eine etwas improvisierte Open Air-Werkstatt, um einen Kühlerschlauch umklemmen zu lassen. Der Kühlwasserfluss wäre gestört. Es würde auch so gehen, meinte er. Und es ging, mit Klebepistole und Drahtklemmen. So kamen wir eben nicht in fünf Stunden in Hossaina an, aber wir kamen an. Nach einer herzlichen Begegnung mit unserem lieben Freund, dem Ingenieur und Übersetzer Liranso Salomaon und dem engagierten Entwicklungshilfeleiter Ashenafi von der Kirche Mekane Yesus ging es am Folgetag Richtung Tula.

„In einer Stunde sind wir oben in Tula“, meinte ich. Das Lächeln von Helfried ließ schon nichts Gutes ahnen. Und so kam es, wie es nicht kommen sollte. Die Schotterpiste auf halbem Wege war „im Bau“, d. h. sie war aufgerissen und Schotterberge mit großen Steinen türmten sich mitten auf der Straße. Eine Staßenwalze versuchte vergeblich, die Steine plattzube-kommen. Busse hingen am Berg fest. Das zerrte merklich an den Nerven. Kurze Zeit später, nachdem wir diese Hürden genommen hatten, machte es ganz unmerklich „Ratsch“. In der kleinen Stadt Morsito qualmte dann auch schon der Kühler. Irgendein querfliegender Stein hatte das Kühlerflügelrad komplett wegrasiert. So standen wir ca. 8 km vor Tula mit geplatztem Kühler da. Da war wieder Helfrieds Lächeln und ich verstand... Immerhin schickte uns Gott in diesem Moment einen Ambulanz-Jeep vorbei, der uns aufnahm und per Allrad die ziemlich abenteuerliche Strecke nach Tula brachte.

Am Abend dann – unser Jeep war noch nicht repariert – sollte uns der Jeep der Kirche wieder nach Hossaina bringen. Aber auch hier ging alles anders, als gedacht. Ein Bote teilte uns mit, dass der Jeep auf Grund von Regenfällen 6 km vor Tula steckengeblieben sei. So blieb uns nur ein durchaus kurioser Fußmarsch bergab. Der lehmige Schlick entpuppte sich als idealer Baukleber, der unserer Schuhsohlen immer dicker und schwerer werden ließ. Spätestens jetzt wurde uns klar, warum dort alle Welt mit diesem Lehm Hütten baut – und die Hütten auch halten. Die Rückfahrt ging dann durch Schlammwege und Wasserlöcher. Wir kamen am Abend noch in Hossaina an. Danke der Kirche Mekane Yesus für ihre Hilfe!

6. Was wir in Tula vorfanden

Da durch den defekten Wechselrichter auch keine Stromabnahme erfolgen konnte, sollte das Windrad zu dessen Schutz gestoppt werden. Dies war erfolgt. Von den drei Technikern waren zwei anwesend. Sie hatten den Dieselgenerator laufen gehabt. Immerhin, dieser funktionierte. Allerdings stellten wir fest, dass da fast kein Motorenöl mehr war. Offenbar war der Generator, wie auch immer, häufig zur Notstrom-versorgung genutzt worden.

Eine ausführliche Belehrung der Techniker war die Folge. Wir hoffen, dass sie den Ölstand künftig besser kontrollieren. Der Ölmangel hätte ansonsten zum Totalausfall des Generators führen können. Gut, dass wir da waren.

Das Elektrohaus war im guten Zustand. Die Solaranlage funktionierte. Das Windrad im Grunde auch. Warum der Hilfswechselrichter ausgefallen war, haben wir erst später feststellen können (vgl.8.).

7. Reparaturarbeiten in Tula

Folgende Arbeiten konnten wir erledigen. Dazu brauchten wir freilich – abweichend von meinem optimistischen Plan - zwei volle Tage.

Zusammenbau und Installation des neuen Wechselrichters

Dies war uns reibungslos gelungen. Der Wechselrichter funktionierte auf Anhieb. Wir konnten ihn per Laptop und Konfigurationsprogramm abschließend für unsere Zwecke konfigurieren. Danke Hrn. Stein von der Firma „Service-Team Döbeln“, der uns persönlich in alles gründlich eingeführt hatte.

Reparaturversuch am blitzschlaggeschädigten originalen Wechselrichter

Diesen Wechselrichter hatten wir bereits im Januar 2017 durch Tausch einer elektronischen Hauptkomponente versucht zu reparieren  - doch ohne Erfolg. Nun tauschten wir eine weitere Komponente. Doch die Fehleranzeige blieb bestehen. D. h., wir konnten den alten originalen Wechselrichter nicht betriebsbereit bekommen. Dies soll im Januar 2018 erfolgen. Damit hätten wir für den Fall einer massiven Störung ein Ersatzgerät vor Ort.

Einbau eines Dehn-Blitzschutzventils

Die konnte wie vorgesehen in einem extra mitgebrachten Schutzkasten installiert werden.

Tausch des Windreglers

Auch dies konnte reibungslos erfolgen.

8. Leitungsprobleme

Während unserer Arbeiten im Elektrohaus – das Dorf war schon wieder angeschlossen – gab es eine massive Störung: Der Wechselrichter ging plötzlich auf Überlast. Irgendwo gab ein einen Leitungs- Kurzschluss. Der Wechselrichter selbst funktionierte nach Test rel. hoher Lasten weiter reibungslos. Das Problem lag im Netz, was für uns in diesem Moment ein Riesenproblem darstellte, blieben uns doch nur noch wenige Stunden bis zur Abfahrt. Im Elektrohaus alles o. k. und dennoch kein Strom im Dorf? So konnten wir unmöglich Tula verlassen. Nun erfolgte eine fast verzweifelte Suche nach dem Problem. Abschnitt für Abschnitt des Dorfnetzes wurde herausgeschaltet und jeweils ein Funktionstest vorgenommen. Dies ging nur per Walki-Talki bzw. auf größere Entfernung mit dem Hany. Am Ende stellte sich heraus, dass im allerletzten Abschnitt, nämlich in der Leitung zur Mekane Yesus Kirche (ca. 800 m), der Fehler lag. Trotz mühsamer systematischer Suche konnte der Fehler in der verbleibenden Stunde nicht gefunden werden. Somit blieb uns nur die Abschaltung dieses Abschnittes, damit das übrige Dorf Strom bekommt. Die betreffende Leitung war 2015 durch die Dorftechniker selber verlegt worden, freilich mit einem viel zu kleinem Kabelquerschnitt. Im Januar 2018 wird diese Leitung durch ein deutlich stärkeres Kabel ersetzt werden müssen. Damit wird das Problem automatisch behoben sein.

Dieser Leitungskurzschluss wird vermutlich auch der Grund für den Defekt des im Januar 2017 installierten Hilfswechsel-richters gewesen sein. Insofern war es eine gute Fügung, dass das Problem in unserem Beisein aufgetaucht ist. Ansonsten hätten wir wiederum einen defekten Wechselrichter.

Ein weiteres Leitungsproblem wurde uns sichtbar: Die Freileitung geht oft an schnellwachsenden Eukalyptusbäumen vorbei. Diese behindern den Leitungsgang. Unseren Technikern war dies offenbar nicht bewusst. Wir haben ihnen eingeschärft: monatliche Kabelkontrolle und Freischnitt, wenn nötig.

9. Konsequenzen aus den aufgetretenen Problemen

Deutlich wird, dass wir vor Ort einen Fachmann brauchen, der in regelmäßigen Abständen in Tula nach dem Rechten sieht. Wir sind auf der Suche. Unser Übersetzer Liranso Salomon will sich darum kümmern.

10. Perspektive

Deutlich ist eines: Die durch die Dorftechniker installierten Gebäude (112 Häuser, Schule, Dorfverwaltung, zwei Kirchen, Impfstelle) übersteigt die jetzige Kapazität der Anlage (vgl. die konkreten Messwerte  und Berechnungen im Bericht 2016). Dies gibt uns die Richtung vor für Januar 2018:

  • Installation einer weiteren Solareinheit (ca. 3 KWp)
  • Erneuerung des Kabels in der Problemstrecke Richtung Mekane Yesus Kirche
  • Anschluss eines noch verbliebenen Dorfteiles (ca. 800 m entfernt, ca. 20 Hütten)

Damit sollten die Installationsvorhaben in Tula einen vorläufigen Abschluss erhalten.  Danach sollte die Betreuung im Vordergrund stehen bzw. die Hilfe beim behutsamen Ausbau einer Infrastruktur. Im etwa 1 km entfernten Unterdorf (bisher nicht angeschlossen) könnte das Modell einer separaten solargestützten Energietankstelle erprobt werden.

11. Spenden willkommen

Auf Grund der noch zu beschaffenden Kabelmengen und der Solareinheit werden wir weitere ca. 7.000 Euro benötigen. Dazu kommen Kosten für Installationsmaterialien und Transporte. Über jede Spende sind wir sehr dankbar (vgl. Spendenkonto auf unserer Homepage). Alle Mitfahrenden Helfer beteiligen sich selber an den Kosten (Flugkosten und Beköstigung in Äthiopien werden von den Projekthelfern privat getragen).

Danke allen Spendern und Mitwirkenden, die dieses Projekt bisher ermöglicht und begleitet haben!

gez. Dr. J. Hahn, August 2017
Vors. „Windenergie Äthiopien e. V.“