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Windenergie für Äthiopien

eine Entwicklungshilfe-Windkraftanlage, konstruiert in einer sächsischen Dorfgemeinde

Geschafft! - In Debo brennt Licht!

Ergebnisbericht der Montagefahrt Januar 2007
Reisezeitraum: 9. 1.- 6. 2. 2007

Mannschaft:

Dipl.-Ing. Wolde Giorgis Demissie, Berlin
Pfr. Dr. Jochen Hahn, Rüsseina, b. Meißen
Hugo Hahn, Sinsheim (in Baden)
Klaus Hundert, Röhrsdorf b. Meißen
Christian Preuß, Rüsseina, b. Meißen
Helfried Vater, Choren, b. Döbeln

Gliederung des Berichtes:

1. Ziel
2. Vorbereitungsphase 2006
3. Die Aktion 2007
3.1. Vorbereitungsarbeiten in Addis Abeba 10. - 15. 1. 07
3.2. Projektumsetzung in Debo
3.2.1. Technische Arbeiten
3. 2. 1. 1.  Aufbau der Windenergieanlage
3. 2. 1. 2. Einrichtung des „Elektrohauses“ (Umformerstation)
3. 2. 1. 3. Schachten des  900 m lange Kabelgrabens und Erdkabelverlegung
3. 2. 1. 4. Gebäude-Installationsarbeiten
3. 2. 2.  Offizielle Einweihung der Elektroanlage 28. 1. 2007
3. 2. 3.  Funktionsfähigkeit der Anlage
3. 2. 4.  Die Wartungstechniker
3. 2. 5.  Klärung wichtiger Fragen zu Beginn unseres Aufenthaltes und  sich andeutende Probleme
3. 2. 5. 1. Konkurrenz zum Kreisverwaltungsort Mertule Maryam
3. 2. 5. 2. Enttäuschung über begrenzte Stromversorgung - Kollision zwischen „Ich-„ und „Wir-Denken“
3. 2. 5. 3. Überzogene Erwartung bzgl. der Anstellung und Bezahlung der ausgebildeten Wartungstechniker
3. 2. 5. 4. Refinanzierungskonzept
3. 2. 5. 5. Klärung der Trägerschaft der Gesamtanlage
3.3 Schlussbillanz

1. Ziel

2007 sollte die gesamte Anlage in Debo aufgebaut und alle vorgesehenen Gebäude mit Lichtstrom versorgt werden.
Neben den technischen Aufgaben war es außerdem Ziel, zugunsten der Nachhaltigkeit des Projektes ein Wartungs- und Refinanzierungssystem in Debo zu organisieren (vgl. 3. 2. 5. 4.).

2. Vorbereitungsphase 2006

Auf Grund der Erfahrungen der Reise 2006 konnten zwischen März und Oktober 2006 umfangreiche Vorbereitungsarbeiten für eine Endmontage in Debo durchgeführt werden:

organisatorisch

  • Vertragsabschluss über eine Partnerschaft zwischen dem „Selbsthilfe Äthiopien e. V.“ und dem Äthiopischen Roten Kreuz
  • mehrere Schreiben an äthiopische Behörden wegen Zollbefreiung und beschleunigter Zollabfertigung
  • Sammeln von Spenden; Dia-Vorträge in Gemeinden

technisch

  • Zusammenbau der Energiezentrale und Funktionstest am Windrad in Rüsseina (gestaltete sich sehr zeitaufwendig)
  • Konstruktion und Bau des Maschinenkopfes
  • Materialbeschaffungen, Konfektionierung von Teilen, Vorbereitung der kompl. Mastabspannung incl. Sicherheitskonzept ( Diebstahl von Teilen)
  • Besorgung von Werkzeugen, auch z. T. für die Werkstatt in Debo
  • Verpackung in zwei große Holzkisten (zus. 750 kg) und Versand per Cargo-Luftfracht im Dezember 2006

3.     Die Aktion 2007

3. 1. Vorbereitungsarbeiten in Addis Abeba 10. - 15. 1. 07

Flug mit Jemen Airways: Mit Zugkarte 730,- €. 2006 waren es 605,- €. Zermürbend: 7 Stunden Wartezeit in Sanaa, nachts. Überlegen, ob der Flug mit Äthiopien Airlines besser wäre.

Tauschkurs: 1,- € = 11,34 Birr

Gute Nachricht am Anfang: Die Materialkisten konnten durch Wolde Giorgis Demissie und durch die organisatorische Hilfe eines Mitarbeiters des Äthiopischen Roten Kreuzes zollfrei innerhalb von vier Tagen aus dem Zoll gebracht und in einer Lagerhalle des Roten Kreuzes zwischengelagert werden. Der Normalfall: Dieser Vorgang dauert 4-6 Wochen.
In Addis Abeba besorgen wir notwendige Materialien, kleinen Notstromer, Werkzeuge, Polstermaterial, Dieselkanister, Leitern …. , Kabel und das gesamte Installationsmaterial für die Gebäude. 10 Speicherakkus, 900 m Erdkabel, Holz für die Windradleisten, Kunststoffschutzrohre und ein leistungsfähiges Dieselaggregat waren bereits 2006 besorgt und bei der Familie von Wolde G. Demissie in Addis Abeba sicher eingelagert worden.
In der kleinen Werkstatt von Wolde Giorgis Demissie konnten durch uns die eingelagerten Windradleisten und Kunststoffschutzrohre (für Erdkabel) fertig bearbeitet werden.

Zwischendurch Besuch beim Äthiopischen Roten Kreuz und der Deutschen Botschaft.
Kompliziert und fast chaotisch gestaltete sich die Beladung der Transportkisten und der bereits 2006 gekauften zwei Erdkabeltrommeln am Montag, den 15. 1.

Wie 2006 konnte der LKW des Getreidehändlers aus Debo für eine Rücktour genutzt werden (3.500 Birr; 2006: 2.000 Birr). Doch der Gabelstabler des ÄRK war defekt. Kurzfristig musste ein Ersatz organisiert werden. Ansonsten war die Zusammenarbeit mit dem Äthiopischen Roten Kreuz außerordentlich unkompliziert und entgegenkommend - und dies alles ohne „finanzielle Beschleunigung“.

Am Dienstag, den 16. 1. 07 Abreise nach Debo mit Jeep und Fahrer für 500 Birr (43 Euro) pro Tag (2006: 400,  bzw. stand by 350 Birr).

3. 2. Projektumsetzung in Debo (16. 1. - 2. 2. 2007)

Ankunft in Debo am 16. 1. 07 16.15 Uhr
Unterkunft wie 2005 und 2006 bei dem Getreidehändler des Ortes

  • sehr bescheidene Wohnverhältnisse in Lehmbau
  • ernähren uns fast durchgängig von Konserven
  • manchmal früh kein Wasser zum Waschen
  • immer umringt von Vieh
  • Flöhe
  • täglich aber Brot, Kaffe, Tee und Eier (bezahlt)
  • zahlen für 17 Tage und 6 Leute insges. 1.020 Birr an Unterkunft

gute Nachricht: alle Materialien und Werkzeuge, die wir 2006  bei dem Getreidehändler hinterlegt hatten, sind vollständig vorhanden.

- am 18. 1. kommt der LKW an - Abladen durch eine festgelegte Tagelöhnergruppe

3. 2. 1.    Technische Arbeiten

Zu allen Arbeiten haben wir die ausgebildeten Techniker mit einbezogen, damit sie sich auf die Anlage einstellen können. Für uns war außerdem wichtig, den Qualifizierungsstand der einzelnen Personen für eine Auswahl abschätzen zu können. Ansonsten fehlte uns nichts Wesentliches an Werkzeug oder Material.

3. 2. 1. 1. Aufbau der Windenergieanlage

Bereits 2006 hatten wir sämtliche Gründungsarbeiten erledigt und die Aufnahme für den Mast eingebracht. Der Mast selber war 2006 in Addis Abeba durch einen Metallbauer hergestellt und in Debo eingelagert worden. Nun musste der Segelrotor im Hofe des Getreidehändlers vorgefertigt werden. Die ausgebildeten Techniker erwiesen sich hierin als recht geschickt. Trotz einiger Einpassschwierigkeiten durch nicht korrekten Metallbau konnten bereits nach wenigen Tagen die Montage des Mastes, die Abspannung, die Montage des Maschinenkopfes und die Montage des Segelrotors abgeschlossen werden. (Bild: „Chr. u. Hugo, Mast-E-Kasten“  und Bild „Lehrlinge, Kopfmontage“)

Am 22. 1. um 17.30 Uhr wird das Windrad bei größerer Zuschauermenge das erste Mal aufgerichtet. Nach einigem Warten schickte Gott trotz Windstille eine anhaltende Böe, so dass sich das Windrad unter Klatschen und Freude der Zuschauer plötzlich wunderbar drehte. Kurz vor der offiziellen Einweihung am 28. 1. 2007 (20. 5. 1999) wurde das Windrad am 25. 1. komplett noch einmal umgelegt, um die Metallkonstruktion und den Mast in Rotbraun und herrlichem Blau zu streichen und den Rotor zu konservieren.  (Bilder: „Windrad wird aufgerichtet“)

Sicherheitsproblem: Abgesehen davon, dass wir alle Schraubverbindungen entweder verschweißt oder mit Schlössern gegen Abmontage gesichert haben, wurde uns dringend empfohlen, einen Zaun um das Windrad bauen zu lassen. Dazu wurden drei Eukalyptusbäume gefällt, aus denen in mühsamer Spaltarbeit so etwas ähnliches wie Zaunslatten hergestellt wurden. Der Zaun konnte in unserer Anwesenheit vollständig errichtet werden (Gesamtkosten incl. Bäume und Arbeitslohn ca. 150 Euro. Holz ist sehr teuer).
(Bild: „Windrad vor Tafelberg“)

3. 2. 1. 2.  Einrichtung des „Elektrohauses“ (Umformerstation)

2006 wurde in unserer Anwesenheit bereits begonnen, im Klostergelände an der Klostermauer ein kleines Gebäude in Holz-Lehmbauweise zu errichten. Gemäß Absprache wurde der Lehmbau des Hauses aus Witterungsgründen im August 2006 fertig gestellt. Das Haus ist ca. 5 m lang und 3 m breit und innen in zwei Räume geteilt: Der Eingangsraum soll Wohnraum für eine Person sein (Sicherheit), im zweiten - nur von innen betretbaren Raum - befindet sich die Trafostation, die Speicherakkus und das Notstromaggregat mit Dieselvorrat.
Durch LKW wurde der 350 kg schwere Trafo-Container über das Feld zum E-Haus gebracht und mittels einer schrägen Ebene unbeschadet abgeladen. Alle Messinstrumente sind noch in Ordnung. Keine Transportschäden! Die Einrichtung der Umformerstation ist am 22. 1. beendet. Bild E-Zentrale

3. 2. 1. 3. Schachten des  900 m lange Kabelgrabens und Erdkabelverlegung

Bereits am zweiten Tag unseres Aufenthaltes wurden ca. 40 Personen zum Schachten ausgewählt. Der Tageslohn war auf 15 Birr pro Person und Tag (etwas mühsam) ausgehandelt worden (2006 wurden 10 Birr gezahlt; 15-17 Birr ist allerdings Tagelöhnerlohn in der Ernte). Werkzeuge hatten wir in Debo gelagert und ergänzend aus Addis Abeba mitgebracht. Die Schachtarbeiten verliefen ausgesprochen gut (Einsatz eines Poliers). Insgesamt 6 Tage lang waren 40-55 Personen mit dem Öffnen und Schließen incl Verlegung des Kabels beschäftigt. Als außerordentlich schwierig erwies sich das Verlegen der jeweils ca. 2 x 450 m langen Erdkabels (4x10 mm²) und das Aufgleiten der Kunststoffschutzrohre.
Bereits 2006 war die 230 m lange Erdleitung vom Windrad zum Elektrohaus verlegt worden. Diese Erfahrungen von 2006 haben uns 2007 in punkto Organisation sehr geholfen. (Bild „H. Vater, Kabelverbindung“)

3. 2. 1. 4. Gebäude-Installationsarbeiten

Die Installationsarbeiten wurden unverhofft erschwert, weil sich die in Addis Abeba besorgten Materialien als Ausschuss erwiesen. Die Einzeladern des Kabels waren ohne Trennmittel miteinander verschmolzen (türkisches Fabrikat), die Schalter und Steckdosen waren praktisch kaum zu klemmen und zerplatzten im Montagefall sehr schnell. Dies hat enorm Zeit und Nervenarbeit gekostet.
Die Energiesparlampen (7, 9, 12 und 20 Watt Warmlicht) wurden aus Deutschland mitgebracht, da es in Addis Abeba niedrige Leistungen nur selten gibt und nur Kaltlicht bekannt ist. Die Leuchtenpendel haben wir mit einem einfachen weißen Schirm versehen.

a) Kirche

Die Installation der historischen Rundkirche machte uns auf Grund der großen Innenhöhe und des Vorhandenseins nur einer wackligen Holzleiter schwer zu schaffen. Bis in das Allerheiligste hinein sind nun Lampen schaltbar. Neben der Wohnung des Abtes wurden noch „Bethlehem“ (heilige Hütte, in der Brot und Wein bereitet wird), die Schatzräume und der Klostereingang mit Lampen versorgt. Durch hin und wieder auftretende Feiertage mussten die Arbeiten unterbrochen werden. Die Kooperationsbereitschaft des Abtes war aber ausgesprochen gut.  Bild „Kircheninstallation Helfried“
Bild „Chr. Preuß im Allerheiligsten“

b) Verwaltungsgebäude am Marktplatz

Deckenlampen und Tischlampen wurden installiert in der Polizei, in der kleinen Bank und im Gerichtsgebäude. Alle Gebäude sind Lehmbauten und haben zentrale Bedeutung.
In einem der Gebäude sollen auch die Akku-Lampen mit Gebühr aufgeladen werden.
Nach Aufleuchten der Lampen haben die Behörden bei Recordermusik bis in die Nacht getanzt.
Zwei Gebäude weiter befindet sich die Werkstatt der Techniker, die von den Verwaltungsgebäuden aus mit Strom versorgt werden soll. Von hier aus soll auch der Strom für die Marktbeleuchtung bezogen werden (offene Arbeit für die Techniker).  Bild „1. Licht in der Volksbank“

c) Klassenzimmer in der Schule

Die Schule besteht aus mehreren großen Klassenzimmer-Gebäudekomplexen und soll für über 1000 Schüler ausgelegt sein. Eine größere Zahl von Klassenzimmern mit Strom auszustatten war in der Kürze der Zeit nicht möglich. Es wurde vorläufig nur ein Klassenzimmer in Straßennähe installiert. Die Schule selbst wird Erfahrungen sammeln, wie sich Abendkurs bewähren bzw. welche elektrisch betriebenen Lehrmittel einbezogen werden können. Die Klassenzimmer sind in einem elenden Zustand, verschmutzt und z. T. demoliert. Die in Mengistu-Zeiten errichteten Gebäude sind noch massiv gebaut mit Fenstern, die neueren Gebäude sind wieder Lehmbauten und sind Schafställen gleich und dunkel.

d) Krankenstation (health center)

Hier lag der Schwerpunkt der Elektrifizierung. Bis auf ein neues Gebäude aus Lehm sind die übrigen drei Flachgebäude massiv, was die Installationsarbeiten kalkulierbar machte (gute Befestigungsmöglichkeiten). So konnten insgesamt 26 Deckenlampen und ca. 7 Tischlampen installiert werden. Für die Krankenstation ist dies außerordentlich wichtig, haben doch Schwestern und Ärztin bisher z. T. mit Taschenlampenlicht behandelt. Mikroskopische Untersuchungen können nun auch mit elektrischer Beleuchtung stattfinden. Der Betrieb der großen Kühlschränke mit Strom musste aufgegeben werden, da die (üblicherweise mit Kerosin betriebenen) Geräte sich als gewaltige Stromfresser erwiesen (Test: in 15 Std. verbrauchte ein Gerät 7 KWh!). Ein moderner Kompressorkühlschrank benötigt in 24 Std. 0,5-0,8 KWh). Den Test haben wir offen demonstriert, um die Unmöglichkeit des Elektrobetriebes der Kühlschränke deutlich sichtbar zu machen.

Die Freude nach Abschluss der Arbeiten wurde in einer schönen Feier (mit Licht) im Versammlungsraum der Krankenstation zum Ausdruck gebracht.

3. 2. 2. Offizielle Einweihung der Elektroanlage 28. 1. 2007

Nachdem das Windrad, die Elektrostation, die Kirche und die Verwaltung elektrifiziert war, wurde am Sonntag, den 28. 1. 07 die Anlage am Windradgelände offiziell eingeweiht.

Dazu waren geladene Gäste angereist:

  • Vertreter des Ministeriums für Bergbau, Wasser und Energie aus Bahir Dar,
  • Vertreter des Äthiopischen Roten Kreuzes aus Debre Markos
  • der Chef der Bezirksverwaltung aus Mertule Maryam
  • das Äthiopische Staatsfernsehen und andere Gäste.

In einem kleinen Festakt wurde am Eingang des Windrades ein Band durchgeschnitten und von besagten offiziellen Vertretern und uns kleine Ansprachen gehalten.
In dieser Situation herrschte bei strahlendem Wetter Windstille. Doch auch hier schickte Gott den besagten Hauch und ließ die Windmühle kräftig im rechten Moment drehen.
Nach der Besichtigung der Elektrostation und der Kirche wurde an der Polizei am Markt ein Ochse verspeist (da wurde rohes Fleisch in großen Batzen verzehrt) und gut getrunken.

3. 2. 3.  Funktionsfähigkeit der Anlage

Leider ist im Hochland Äthiopiens der Januar nur mit schwachem Wind gesegnet. In drei Tagen hatten wir lediglich 3,2 m/s Durchschnittswindgeschwindigkeit in Nabenhöhe (12 m) gemessen. Das ist deutlich zu wenig, um den täglichen Energieverbrauch zu decken. Es ist zu hoffen, dass ab Februar der Windstromertrag deutlich höher ausfällt.
Das Dieselaggregat ist in der Lage, Strom ins Dorf zu liefern und gleichzeitig die Speicherakkus aufzuladen, damit 24 Stunden Energie verfügbar ist. Dies wurde erfolgreich getestet.
Erstaunlich positiv war die Höhe der Spannung nach 900 m (in der Klinik). Während die E-Station ca. 235 V herausgibt, war die Spannung am Ende der Leitung immer noch 225-230 V.

3. 2. 4.  Die Wartungstechniker

Am Ende unseres Aufenthaltes in Debo haben wir von den vier Technikern auch unter Zuhilfenahme der Zeugnisse zwei ausgewählt. Im Grunde ist nur einer wirklich in der Lage, die Wartung verantwortungsvoll zu übernehmen. Beide sind durch die Kommunalverwaltung ortsverpflichtet.
Täglich müssen sie die Werte ablesen und in einem Tagesreport notieren, um später einmal eine qualifizierte Auswertung vornehmen zu können. Ggf. müssen sei den Diesel starten. Die Wartungstechniker wurden mit Ersatzteilen und einem Wartungshandbuch für die Windenergieanlage (in amharischer Sprache) ausgestattet.
Alle Verbraucher in Debo haben ein Merkblatt in amharischer Sprache erhalten mit Richtlinien im Umgang mit der elektrischen Energie.
Bild: Helfried mit den Wartungstechnikern

3. 2. 5. Klärung wichtiger Fragen zu Beginn unseres Aufenthaltes und  sich andeutende Probleme:

Gleich zu Beginn wurden wir mit Problemen konfrontiert, die wir im Laufe unseres Aufenthaltes klären mussten, um ein Gelingen des Projektes zu gewährleisten. Deutlich wurde uns schnell, dass die technische Installation das eine ist, die Verankerung des Projektes in der Bevölkerung wohl aber der schwierigere Teil bleibt.
Folgende Probleme tauchten auf:

3. 2. 5. 1. Konkurrenz zum Kreisverwaltungsort

Uns wurde in Addis Abeba zugetragen, dass der von Debo 16 km entfernte Kreisverwaltungsort Mertule Maryam nicht ertragen könne, wenn der kleinere Ort Debo zuerst Strom bekäme. Diese Befürchtung hat sich zerschlagen, da Mertule Maryam in Kürze Strom von der Trasse bekommt.

3. 2. 5. 2.  Enttäuschung über begrenzte Stromversorgung - Kollision zwischen „Ich-„ und „Wir-Denken“

Obwohl 2005 der Dorfältestenrat bestimmt hatte, dass nur die öffentlichen Gebäude Kirche, Verwaltung, Schule und Krankenstation Strom bekommen sollten (so auch unser ganzes Konzept), war in der Bevölkerung die feste Erwartung da, dass nun alle Häuser Strom bekommen sollten. Lange hielt sich eine erhebliche Enttäuschung uns gegenüber. Diese konnte nur durch eine Rede des Bezirksverwalters in guter Weise abgebaut werden. Hier wurde ein Kompromiss gefunden: Zusätzlich zu den Gebäudeinstallationen sollen noch vier Straßenlampen an den Markteingängen installiert werden. Auf diese Weise können die Menschen in Debo auch auf der Straße vom Strom partizipieren.

In der Diskussion wurde immer wieder eines deutlich: Über Jahrtausende hat jede Familie für das eigene Überleben gekämpft (Ausnahmen: Hilfe bei der Ernte und bei akuter Krankheit). Dieses Ich-bezogene Denken ist nicht einfach gleichzusetzen mit Egoismus, sondern Teil einer Überlebensstrategie. Moderne Einrichtungen wie Krankenhaus oder Schule allerdings setzen ein starkes „Wir-Gefühl“ voraus, das aber eben so stark noch nicht ausgeprägt ist. Dies scheint der Grund dafür zu sein, dass die Beleuchtung von Schule, Krankenstation und Kirche nicht in erster Linie auch als Eigennutzen verstanden worden ist. Hier hat es verstärkte Überzeugungsarbeit von Seiten der öffentlichen Verwaltung bedurft, deutlich zu machen: „Jeder von euch kann krank werden. Bildung geschieht doch für euch. Wir müssen über unser „Ich“ hinausdenken lernen.

3. 2. 5. 3.  Überzogene Erwartung bzgl. der Anstellung und Bezahlung der ausgebildeten Wartungstechniker

Dieses Problem macht deutlich, mit welchen fast kindlichen Erwartungen die Bevölkerung dem Projekt begegnet. 4 junge Debo-Leute (+ 2 Jugendliche vom Äth. Roten Kreuz) waren in einem Crashkurs 4 Monate in Debre Markos in Elektrotechnik ausgebildet worden. Nun hatten sowohl diese als auch die Dorfältesten die Erwartung, dass zur Pflege der Elektroanlage alle vier Leute mit einem normalen Tageslohn von mindestens 10 Birr pro Person auf Dauer sicher angestellt werden würden. Über die Herkunft des Geldes hatten sie sich keine Gedanken gemacht. Es bedurfte langer und mehrmaliger Erklärungen, deutlich zu machen, dass für eine einstündige Aufgabe pro Tag  eine Person nur teilangestellt und höchsten noch ein Vertreter bestimmt werden könne. Außerdem muss ein Konzept vorliegen, wie das Geld für die Bezahlung einkommt. 
Unser Vorschlag: Ausstattung der Techniker mit einem täglichen Minimalgehalt von 4 Birr. Zusätzlich Gewinnbeteiligung an den Einnahmen aus der Werkstatt (s. u.). Dieser Gedanke war den Dorfältesten anfangs sehr fremd. Offensichtlich konnten sie sich aber nach und nach eine dementsprechende Realisierung vorstellen.

3. 2. 5. 4. Bezahlung und Refinanzierung der Ausgaben

Dieses Thema ist zentraler Teil unseres Projektes. Deshalb haben wir es von vornherein gleich zu Beginn angesprochen. Das war gut so, hatten damit auch die Dorfältesten Zeit, über dieses Problem nachzudenken. Die Ausgangserwartung war bei einigen: Wind ist kostenlos - Strom ist kostenlos. Andererseits war anderen klar: Irgendwie müssen wir dafür Sorge tragen, dass Geld in die Stromkasse kommt. Dies hatten wir  bereits 2006 in Debo diskutiert.

Unser Refinanzierungskonzept und die Reaktion in Debo:

Die laufende Finanzierung der Wartungstechniker, des Diesels und ggf. der Ersatzteile soll durch drei Quellen realisiert werden:

a) Die Stromnutzer bezahlen den verbrauchten Strom

mit 3 Birr pro KWh. Die Kirche soll davon befreit werden, da das Elektrohaus auf Klostergelände steht und in dessen Bewachung mit einbezogen wird. Zähler wurden bei jedem Nutzer installiert.

Reaktion: Zögern. Die öffentliche Verwaltung hat kein Geld. Das Krankenhaus und die Schule könnten einen Fond einrichten.

b) Erlöse aus der Akku-Lampen-Betankung.

10 Akku-Lampen wurden von uns aus in die Bevölkerung verkauft. Dies eröffnet die Möglichkeit, den Strom ohne Leitung in die Häuser zu bekommen. Der Bedarf war viel höher, als gedacht (auf der Liste standen 50 „Lampen-Bewerber“). Angestrebt wird eine Erweiterung des Akku-Lampenbestandes in der Bevölkerung möglichst durch einen Kleinhändler in Debo. Pro Aufladung soll 1 Birr gezahlt werden. Bei angenommen 50 Lampen wäre das ein Einkommen von ca. 80 Birr pro Woche. Dies würde die Dieselkosten und einen Teil des Wartungstechnikerlohnes gut decken.

Reaktion in Debo: 1 Birr pro Aufladung ist o. k. Offene Frage: Wer könnte den Lampenbestand erhöhen? Während unserer Anwesenheit gab es dazu zwar eine Meldung, aber noch nichts Konkretes. Wichtiger schien die Frage: „Hauptsache, ich bekomme zuerst eine Lampe aus Deutschland?“ Darüber entbrannte dann auch kurzzeitig ein Streit ( … mit hoffentlich produktivem Ausgang).

c) Erlöse aus dem Betrieb einer kleinen Dienstleistungswerkstatt

Am Ende unseres Aufenthaltes wurden zwei gut geeignete Räume direkt am Mark für 30 Birr pro Monat angemietet (1/2 Jahr Vorauszahlung durch uns als Starthilfe). Ein größerer Satz an Handwerkszeug wurde durch uns in Debo gelassen, darunter auch Bohrmaschine, Flex, Schleifmaschine und kleinen Notstromer (eine kl. Haarschneidemaschine wird noch besorgt). Hier sollen auch unter Nutzung des Stromes kleinere Reparatur- und Dienstleistungsarbeiten erfolgen, die durch Bezahlung Geld einbringen. Dem Wunsch, Voraussetzungen zum Schweißen zu schaffen, konnten (und wollten) wir nicht nachkommen, da zum einen die Techniker bisher keinen Schweißerkurs gemacht haben und die Befürchtung besteht, dass das ortsgebundene Dieselaggregat im Elektrohaus für Schweißarbeiten fremdgenutzt werden könnte. Schweißarbeiten bleiben allerdings eine wünschenswerte Aufgabe (und Einnahmequelle) für die Werkstatt.

Reaktion in Debo: Die Idee der Werkstatt wird positiv aufgegriffen. Große Unsicherheit bei den beiden Wartungstechnikern: Wie soll die Werkstatt genug Geld einbringen? Hier wird es darauf ankommen, wie gut sich die Techniker hier einbringen. Leider blieb für uns zu wenig Zeit, die beiden Techniker betriebswirtschaftlich einzuführen.

3. 2. 5. 5.  Klärung der Trägerschaft der Gesamtanlage

Am Ende unseres Aufenthaltes wollten wir unbedingt klären, wer nun in Debo der offizielle Träger der gesamten Anlagen ist. Nach mehreren Sitzungen wurde die Kommunalverwaltung dazu bestimmt. Sie verwaltet einkommendes Geld, stellt die Techniker ein und ist Träger der Werkstatt.
Hierzu wurde ein Vertrag abgeschlossen, der die Übergabe der Anlage an die Kommunalverwaltung dokumentiert und uns als Initiativgruppe von Haftungen befreit.

3. 3. Schlussbillanz

Alles in allem können wir mit der Aktion 2007 zufrieden sein. Die Aufgaben, die anstanden, konnten trotz mancher Schwierigkeiten erledigt werden. Es brennt Licht in Debo.
Es bleibt zu hoffen, dass die Wartungstechniker und die verantwortlichen Dorfverwalter mit der Anlage umsichtig umgehen und kreativ Möglichkeiten der Refinanzierung umsetzen. Die Entdeckung der eigenen Fähigkeiten und Möglichkeiten wäre dann im wahrsten  Sinne ein Stück  nachhaltige Entwicklungshilfe.